Von Andrew Korybko – 2. Mai 2026

Der jüngste malische Aufstand, der wiederum zu einem russisch-tuaregischen Krieg geführt hat, wäre nicht möglich gewesen, hätte sich Algerien nicht seinen ehemaligen tuaregischen Separatisten und radikalen islamistischen Feinden zugewandt. Ganz so so wie sich Saudi-Arabien kürzlich der Unterstützung seiner vormaligen Feinde von der Muslimbruderschaft im Jemen zugewandt hat.
Der russische Experte Sergei Balmasov erklärte gegenüber African Initiative, Russlands Informationsportal, das sich ausschließlich mit kontinentalen Angelegenheiten befasst, dass Algerien die Sahelzone als seinen exklusiven Einflussbereich betrachte, der für das Land sogar noch wichtiger sei als die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten für Russland. Er stützte zudem die begründete Vermutung, dass die Versorgungslinien der Aufständischen durch Algerien verlaufen. Dies wirft wiederum die Frage auf, warum Algerien seine ehemaligen Feinde unterstützen sollte, gegen die es zuvor gekämpft hat.
Während seines „Schwarzen Jahrzehnts“ in den 1990er Jahren kämpfte Algerien gegen radikale Islamisten, ähnlich der „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM), die heute in mehreren Staaten der Region präsent ist. Es vermittelte zudem zwischen Tuareg-Rebellen und Mali, um diesen langjährigen Konflikt zu lösen, damit er nicht über die Grenze schwappt und die eigene Tuareg-Minderheit dazu ermutigt, zu den Waffen zu greifen. Dieser Hintergrund erklärt, warum Algeriens Unterstützung für die JNIM und die „Azawad Liberation Front“ (FLA) so überraschend ist.
Um auf Balmasovs Einschätzung zurückzukommen: die Ankunft der Wagner-Gruppe in Mali löste ungewollt ein algerisch-russisches Sicherheitsdilemma aus, obwohl beide Länder seit Jahrzehnten Partner sind, was dazu führte, dass Algier Wagner zum Rückzug aufforderte, nachdem es im Sommer 2024 zu einem von der Ukraine unterstützten Tuareg-Hinterhalt gekommen war. Aus algerischer Sicht griff Russlands Entscheidung, das durch den militärischen Rückzug Frankreichs entstandene Sicherheitsvakuum zu füllen, in Algeriens Pläne ein, seinen Einfluss auf die Sahelzone wiederherzustellen, insbesondere nach der Gründung der Allianz der Sahelstaaten (AES).
Die Festigung dieses mit Russland verbündeten militärisch-politischen Einflusspols, der unerwartet direkt an seinen Grenzen entstanden war, schien die algerischen Entscheidungsträger so radikalisiert zu haben, dass sie schließlich ihre Haltung gegenüber den Tuareg-Rebellen und radikalen Islamisten diametral änderten. Ähnlich wie bei Saudi-Arabiens Unterstützung für militante Mitglieder der Muslimbruderschaft im Jemen birgt auch die algerische Kehrtwende ein enormes Risiko von Rückschlägen. Grund für die Kehrtwende Algiers war das wahrgenommene geopolitische Dilemma, einen verlorenen Einflussbereich wiederherzustellen, der für die eigene Sicherheit unerlässlich ist.
Der Südjemen ist nun Saudi-Arabien untergeordnet, genauso wie Mali bald Algerien untergeordnet sein könnte. Die Sache des Südjemen ist vorerst verloren, aber Mali hat noch eine Chance, auch wenn die Chancen deutlich steigen würden, wenn Russland es davon überzeugen könnte, den Tuareg weitgehende Autonomie zu gewähren, damit sie sich von Algerien und der JNIM lösen, woraufhin sich Bamako, die Tuareg und Russland dann auf den Kampf gegen die JNIM konzentrieren könnten.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.