Von Andrew Korybko – 2. Juli 2026

Bei seinem seit einem halben Jahrzehnt andauernden Wiederaufbau nach dem Krieg hat Afghanistan noch einen langen Weg vor sich. Vor allem aufgrund der Ineffektivität der UNAMA – deren Arbeit durch den Westen politisiert und daher blockiert wird – verläuft dieser weiterhin äußerst schleppend.
Russlands stellvertretende Ständige Vertreterin bei den Vereinten Nationen, Anna Evstigneeva, legte dem UN-Sicherheitsrat Anfang Juni ein aktualisiertes Briefing zu Afghanistan vor. Sie erklärte eingangs die Notwendigkeit, „Vertrauensbildung zu fördern und die pragmatische Zusammenarbeit zwischen den Behörden und der internationalen Gemeinschaft zu stärken“, um die Präsenz der Hilfsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) vor Ort aufrechtzuerhalten. Anschließend ging sie detailliert auf „drei Schlüsselelemente“ dieses Ansatzes ein.
Diese sind „ein wirklich konstruktives Engagement der internationalen Gemeinschaft in der Afghanistan-Frage, die umfassende Berücksichtigung der Bedürfnisse des afghanischen Volkes selbst sowie ein vertrauensvoller Dialog mit den Behörden über alle noch offenen Fragen“. Anschließend erinnerte Evstigneeva ihre Amtskollegen daran, dass dieser Ansatz von „den Teilnehmern des Moskauer Formats und dessen regionalem ‚Quartett‘ sowie von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) geteilt wird, einschließlich der OVKS-Arbeitsgruppe zu Afghanistan und der SOZ-Afghanistan-Kontaktgruppe“.
Evstigneevas Amtskollegen wurden von ihr zudem daran erinnert, dass „der von der UNAMA selbst formulierte ‚Mosaik-Ansatz‘ ebenfalls zielorientiert ist. Der Kern dieses Ansatzes ist die Zusammenarbeit mit den Taliban in allen zentralen Fragen, darunter die Sicherung einer diplomatischen Vertretung, die Aufhebung von Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte sowie die Bekämpfung terroristischer und drogenbezogener Bedrohungen und der Schutz der Menschenrechte. Die zeitnahe und bedingungslose Behandlung dieser Themen ist der direkte Weg zur internationalen Wiedereingliederung Afghanistans.“
Im Anschluss an diese Hinweise brachte Evstigneeva ihre Besorgnis über regionale terroristische Bedrohungen zum Ausdruck, insbesondere über die Tehreek-i-Taliban Pakistan (TTP), die Islamische Bewegung Ostturkestans (ETIM) und ISIS-K. Pakistan hat die Taliban beschuldigt, die erstgenannte Gruppe zu unterstützen, während die letztgenannte ihr verhasstester Feind ist, dessen Unterstützung die Taliban zuvor Pakistan vorgeworfen hatten. Die Verurteilung dieser drei wichtigsten regionalen terroristischen Bedrohungen durch Moskau kann somit als ein weiterer Ausdruck des behutsamen afghanisch–pakistanischen Balanceakts Russlands im vergangenen Jahr gewertet werden.
Evstigneeva beendete ihre Lagebesprechung mit einem Hinweis auf die mit dem Terrorismus verbundenen Drogenbedrohungen und die schwierige sozioökonomische Lage Afghanistans; bei beidem werde Russland durch engere bilaterale Partnerschaften helfen, so Evstigneeva. An sich war ihre aktualisierte Lagebesprechung nichts Besonderes, doch sie zeigte, wie sehr sich Russland für Afghanistan engagiert – insbesondere vor dem Hintergrund, dass sie einen Monat nach dem militärisch-technischen Abkommen erfolgte, in dem Russland sich bereit erklärt hatte, die sowjetische und russische Ausrüstung Afghanistans zu warten.
Es gab zahlreiche Spekulationen über die wahren Absichten Russlands bei der Zustimmung zu dieser Vereinbarung. Doch diese kann sicherlich nicht als Bedrohung Pakistans gewertet werden, da die reparierte sowjetische und russische Ausrüstung Afghanistans dazu realistisch gesehen nicht in der Lage ist. Afghanistan ist zudem zu sehr von den von Evstigneeva dargelegten Problemen geplagt, als dass es eine konventionelle Bedrohung für andere Staaten darstellen könnte. Islamabad argumentiert jedoch, dass Afghanistan eine unkonventionelle Bedrohung für Pakistan darstelle. Dies hat allerdings nichts mit Russland zu tun. Es handelt sich um eine rein bilaterale Angelegenheit.
Mit Blick auf die Zukunft hat Afghanistan bei seinem seit einem halben Jahrzehnt andauernden Wiederaufbau nach dem Krieg noch einen langen Weg vor sich, der vor allem aufgrund der Ineffektivität der UNAMA – bedingt durch die Politisierung ihrer Arbeit durch den Westen – weiterhin äußerst schleppend verläuft. Dem Westen ist Afghanistan völlig egal, hat er derzeit doch genug eigene Probleme zu bewältigen. Eine Ausnahme könnten bald die USA bilden, die nach dem Angriffskrieg gegen den Iran mit Pakistan zusammenarbeiten könnten, um gemeinsam zu versuchen, Afghanistan unter ihre Kontrolle zu bringen – auch mit dem Ziel, US-Truppen auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram zurückzubringen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.