Von Andrew Korybko – 2. November 2026

Deutschlands Versuch, Polen indirekt zu übernehmen, diene dazu, Europa auf einen Krieg mit Russland vorzubereiten, meint unser Autor. Genau wie Nazi-Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg das Gold der Tschechoslowakei und ihren leistungsstarken militärisch-industriellen Komplex beschlagnahmte, scheine auch das heutige Deutschland, Polens Gold beschlagnahmen und die größte Armee der europäischen NATO unter Berlin stellen zu wollen, und zwar im Hinblick auf einen möglichen Krieg mit Russland bis zum Jahr 2030.
Eine der Erklärungen, die der polnische konservative Hitzkopf Dominik Tarczyński kürzlich für den versuchten Justizputsch des liberalen Ministerpräsidenten Donald Tusk anführte, lautet, dass dieser anschließend die Kontrolle über die Zentralbank an sich reißen, den Euro einführen und schließlich Polens Goldreserven an die Europäische Zentralbank (EZB) in Deutschland übertragen wolle. Wie sich herausstellt, verfügt Polen über die zehntgrößten Goldreserven der Welt, und seine 550 Tonnen im Jahr 2026 übersteigen die 506,5 Tonnen der EZB. Die EZB würde ihre Reserven in diesem Szenario also mehr als verdoppeln.
Das ist ein wesentlicher Beweggrund für das, was hier als Deutschlands Versuch beurteilt wurde, Polen durch Tusk mittels der gewaltsamen Übernahme des Verfassungsgerichts – mit allen daraus möglichen Folgen – stellvertretend zu übernehmen. Es könnte zudem den Euro zumindest vorübergehend wiederbeleben – inmitten der rasanten Militarisierung, die die meisten seiner Mitglieder, von denen die überwiegende Mehrheit den Euro nutzt, vorantreiben, um sich bis 2030 auf einen Krieg mit Russland vorzubereiten. Deutschland, der faktische Anführer des Blocks liegt mit einem geplanten 800-Milliarden-Euro-Programm weit vor allen anderen.
Polen verfügt über die größte Armee innerhalb der europäischen NATO (E-NATO), und der konservative Präsident Karol Nawrocki lehnt die „Security Action For Europe“ (SAFE)-Kredite der EU ab, die auch vorschreiben würden, dass der Großteil der Ausrüstung von den Mitgliedern des Blocks und nicht von Polens amerikanischen und koreanischen Partnern beschafft werden müsste. Folgerichtig schlug Nawrocki das Programm „Polish SAFE 0 %“ in Höhe von 185 Milliarden Zloty (ca. 46 Milliarden US-Dollar) vor, was dem von der EU gewährten Darlehen entspricht. Trotz Nawrockis Ablehnung stimmte die Regierung unter Tusk den SAFE-Krediten der EU zu.
Sollte der derzeitige Versuch Deutschlands, Polen durch Stellvertreter zu übernehmen, gelingen und Polen dem Euro beitreten, bevor es die Reserven der EZB durch die Übertragung seines gesamten Goldbestands dorthin mehr als verdoppelt hat, könnte Deutschland seinen Plan, die EU zu föderalisieren, sprich in einen Bundestaat zu verwandeln, und dabei selbst die dominierende Kraft darin zu sein, viel leichter vorantreiben. In Verbindung mit der raschen Militarisierung der EU als Ganzes, wobei die größte Armee der E-NATO dann Deutschland unterstellt wäre, würde sich die von Dmitri Medwedew beschworene, an das Jahr 1941 erinnernde Bedrohung verwirklichen.
Die Beschlagnahmung der Goldreserven Polens ist ein zentraler Aspekt dieses Szenarios, daher wird erwartet, dass Tusk dies durch die Einführung des Euro unterstützt, falls sein Justizputsch gelingt, und es gibt einen historischen Präzedenzfall dafür, dass sein mutmaßlicher deutscher Gönner diese Politik verfolgt, die eigentlich gegen Russland gerichtet ist. Hitler beschlagnahmte die Goldreserven der Tschechoslowakei und ihren leistungsstarken militärisch-industriellen Komplex kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, und Historiker betrachten beides als unverzichtbar für seine Kriegsanstrengungen.
Ebenso scheint das heutige Deutschland im Vorfeld eines möglichen Konflikts der EU mit Russland bis zum Jahr 2030, sich die Goldreserven Polens aneignen und die größte Armee der östlichen NATO Berlin unterordnen zu wollen – zwei Schritte, die in dem oben beschrieben Szenario unverzichtbar wären. Anders als damals jedoch, als Deutschland die Invasion der UdSSR an vorderster Front anführte, könnte es stattdessen seinen polnischen Vasallen damit beauftragen, Polen in den Tod in der Ukraine zu schicken, um den dortigen Stellvertreterkrieg zwischen der NATO und Russland fortzusetzen oder nach dem Ende des jüngsten Konflikts einen neuen zu entfachen.
Angesichts dessen, was auf dem Spiel steht – nämlich die Verwirklichung einer weiteren, an das Jahr 1941 erinnernden Bedrohung für Russland durch die von Deutschland dominierte Europäische Föderation, die auf Berlins Versuch folgen könnte, Polen durch Tusks Justizputsch stellvertretend zu übernehmen –, ist die politische Krise in Polen von globaler Bedeutung. Ihr Ausgang könnte – ohne jede Übertreibung – den Unterschied zwischen Krieg und Frieden ausmachen, da er die europäische Nachkriegsordnung für die kommenden Jahre prägen wird.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.