„Historische Mobilisierung“ in Frankreich als Antwort auf autoritäre Verbote

Von Ralf Streck – 26. Oktober 2026

Demo am Samstag in Paris mit hunderttausenden Teilnehmern. Screenshot: Video von sarakadaoui auf instagram

Der Möchtegern-Sonnenkönig oder kleine Napoleon, seines Zeichens abgehalfterter französischer Präsident Macron, hat versucht, die Demonstrationen am Wochenende praktisch zu verbieten. Doch die Menschen ließen sich ein Grundrecht nicht nehmen und mehr als 800.000 Menschen übernahmen trotz Verbot, Militärs und einem massiven Polizeiaufgebot die Straßen. Da Krawallbilder gebraucht wurde, prügelte die Polizei an vielen Orten auch in Aktionseinheit mit Nazis auf Demonstranten ein.

„Sie wollten uns zum Schweigen bringen und die Demonstrationen verbieten, doch wir sind noch zahlreicher geworden: Die Mobilisierung ist HISTORISCH!“, twitterte die linke französische Europaparlamentarierin Manon Aubry. Sie sprach dabei von den Massenmobilisierungen am Samstag im gesamten Land, wo sich weiter Schülerinnen und Schüler gegen den Bildungsnotstand auflehnen. Doch die Proteste sind längst weit darüber hinausgewachsen. Es wird gegen das immer teurere Leben, aber auch gegen das immer autoritärere Gehabe eines Präsidenten Emmanuel Macron Widerstand geleistet, der mit Ausgangssperren, der Mobilisierung des Militärs und zuletzt auch mit einem allgemeinen Demonstrationsverbot die Demokratie praktisch außer Kraft setzt. Die soll aber angeblich verteidigt werden.

Tatsächlich war die Mobilisierung vor allem in Paris kolossal, wie Bilder und Videos zeigen. Allein in der Hauptstadt sollen mehr als 250.000 Menschen demonstriert haben, es könnten aber auch deutlich mehr gewesen ein. „Kein Verbot wird die Mobilisierung aufhalten“, hat deshalb die Politikerin Aubry von der Linkspartei „La France Insoumise“ (Das Unbeugsame Frankreich/LFI) mit Blick darauf erklärt, dass die nächsten Großproteste schon geplant sind. So soll es am 31. Oktober unter anderem einen Kaufstreik geben und dann am 5. November einen Generalstreik.

Die Präsidentin der Linksfraktion im Europaparlament sprach sich klar gegen Gewalt aus. „Die Antwort kann NUR politischer Natur sein“, fügte Aubry an. Denn von Seiten der Macronisten und dem rechtsextremen „Rassemblement National“ (Nationale Sammlungsbewegung/RN) von Marine Le Pen wird stets behauptet, die LFI von Jean-Luc Mélenchon stehe hinter den Krawallen. Damit sollen die LFI und Mélenchon als aussichtsreicher Kandidat vor den Präsidentschaftswahlen in spätestens sechs Monaten diskreditiert werden.

Der konnte jedoch richtigerweise von einem „vollständigen Sieg der sozialen Bewegung“ sprechen. Dass LFI hinter der Gewalt steht, ist Unsinn. Sicher und nachgewiesen ist dagegen längst, dass sowohl sogenannte Sicherheitskräfte in Form von Polizeiprovokateuren (agents provocateurs) oder bekannte Rechtsradikale in die massiven Unruhen und die Plünderungen vor einer Woche verwickelt waren. Das hat Overton kürzlich hier schon ausgiebig herausgearbeitet.

[Hier weiterlesen auf Overtone-Magazin]

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