Von George Beebe – 14. Oktober 2026

Beim Qincy Institute of Responsible Statecraft ist ein Artikel erschienen, in dem ein hypothetisches Zukunftsszenario zur Ukraine durchgespielt wird, das zeigt, zu welchen Gefahren die derzeitige Politik des Westen zu führen droht. Thomas Röper hat den Artikel übersetzt.
2027: Der Winter in der Ukraine, von dem wir gehofft hatten, dass er nicht kommen würde
Unerbittliche russische Angriffe und die Energiekrise, gepaart mit schwindenden Ressourcen aus dem Ausland, erfordern, dass Trump jetzt seine Kriegsstrategie grundlegend ändert.
Stellen wir uns mal ein Zukunftsszenario für die Ukraine vor.
Es ist Februar 2027. Der ukrainische Winter war ungewöhnlich kalt, und die russischen Luftangriffe auf die Energieinfrastruktur, das Verkehrsnetz und die Kommunikationsnetze der Ukraine haben zunehmend verheerende Auswirkungen. Die Ukraine verfügt über keine wirksamen Verteidigungsmittel gegen die massiven Angriffe mit russischen Raketen, Gleitbomben und düsengetriebenen Drohnen, da der russische Präsident Wladimir Putin sowohl darauf abzielt, die Fähigkeit der Ukraine zum Einsatz einer schlagkräftigen Armee zu lähmen, als auch ihren Willen zum Weiterkämpfen zu brechen.
Da es an Heizung, Wasser und Strom mangelt, fliehen Millionen Ukrainer aus Kiew und anderen Großstädten. Westliche Botschaften verlegen ihre Standorte vorübergehend aus der Hauptstadt in sicherere Gegenden. Russische Angriffe auf Rechenzentren und Starlink-Terminals beginnen, die Zielerfassung und Kommunikation der Ukraine auf dem Schlachtfeld zu untergraben und gefährden damit ihre Aussichten, die letzten beiden „Festungsstädte“ in der Donbass-Region zu halten, sobald wärmeres Wetter eine Intensivierung der Bodenkämpfe ermöglicht.
Angesichts wachsender Angst vor Hunger, dem Mangel an Versorgungsgütern und Unterkühlung rufen internationale Hilfsorganisationen eine humanitäre Krise für die Ukraine aus. Westliche Medien werfen Putin Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und die NATO-Verbündeten drängen Washington zum Handeln, da sie befürchten, dass ihre Vision von der Ukraine als einem beständigen „Stachelschwein aus Stahl“, das für die kommenden Jahrzehnte bis an die Zähne gegen russische Aggressionen bewaffnet ist, zunehmend illusorisch erscheint. Der US-Kongress, der nach den überwältigenden Siegen der Demokraten bei den Zwischenwahlen nun von ihnen kontrolliert wird, fordert Trump auf, die russischen Angriffe zu stoppen und das NATO-Bündnis zur Verteidigung der Ukraine zu mobilisieren.
Trumps Palette an diplomatischen Optionen, um Russland aufzuhalten oder abzuschrecken, erscheint jedoch beunruhigend dünn. Weder die Androhung neuer Wirtschaftssanktionen noch das Versprechen neuer Wirtschaftsabkommen haben Putins Widerstand gegen eine vorläufige Waffenstillstandsvereinbarung geschwächt. Moskau beharrt weiterhin darauf, dass ein Waffenstillstand ohne eine umfassendere Friedenslösung, die zentrale politische und sicherheitspolitische Fragen in der Ukraine regelt und die NATO-Erweiterung beendet, unmöglich ist. Doch weder in Washington noch in Europa besteht großes Interesse daran, mit Russland über solche Themen zu verhandeln, insbesondere angesichts der anhaltenden humanitären Krise in der Ukraine.