Von Andrea Lobo – 25. September 2026

Am Dienstagabend empfing Donald Trump im Luxushotel Lotte New York Palace die venezolanische Interimspräsidentin Delcy Rodríguez, flankiert von Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Stabschefin Susie Wiles und dem stellvertretenden Stabschef Stephen Miller.
Laut Axios übernahm Trump den Großteil des Gesprächs und unterhielt seinen Gast mit einem Bericht über die „präzise“ Militäroperation, bei der ihr Vorgänger Nicolás Maduro am 3. Januar festgenommen worden war. Stunden vor dem Treffen saß sie mit ausdruckslosem Blick da, als Trump vom Rednerpult der UN-Generalversammlung aus prahlte, dass US-Truppen „den gesetzlosen Diktator, den echten Verbrecher Nicolás Maduro, verhaftet“ hätten, und schloss: „Dem Sieger gehört die Beute.“
Maduro und seine Frau Cilia Flores saßen derweil in einer Zelle im Metropolitan Detention Center in Brooklyn, etwa zehn Meilen entfernt. Rodríguez postete später ein Foto, auf dem sie lächelnd neben Trump zu sehen war, und bezeichnete das Treffen als „historisch.“
Am nächsten Tag hielt sie selbst eine Rede vor der UN-Generalversammlung. Sie dankte Trump für seine „Bereitschaft, den Weg der diplomatischen Beziehungen und der Zusammenarbeit wieder aufzunehmen“, und lobte das Abkommen vom 28. August, das den Invasionsstreitkräften die mehrheitliche Kontrolle über ein Fünftel der venezolanischen Ölreserven – die größten der Welt – übertrug, als „eines der größten, das je unterzeichnet wurde.“ Anschließend versprach sie Wahlen zum „richtigen Zeitpunkt.“
Was sie ausließ, sagte weit mehr aus. Es gab kein Wort über Maduro und Flores, ebenso wenig wie über die mehr als 100 Menschen, die bei der Invasion getötet wurden. Sie erwähnte auch nicht den 28-jährigen venezolanischen DoorDash-Fahrer Wilber Rafael Garcés Pérez, der am Sonntag in Austin (Texas) von einem ICE-Beamten angeschossen und mit der Kugel, die noch immer in der Nähe seiner Wirbelsäule steckte, inhaftiert wurde. Ebenso unerwähnt blieben die venezolanischen Migranten, die in ICE-Gewahrsam gestorben sind.
Die Inszenierung war von Anfang bis Ende beispiellos demütigend. Rodríguez traf am Montag in einem Privatjet mit US-Zulassung ein und wurde vom Geschäftsträger der USA in Caracas, John Barrett, mit einem Kuss auf die Wange begrüßt.
Das Wall Street Journal titelte „Von der Stellvertreterin eines ‚Diktators‘ zur Verbündeten Trumps“ und erinnerte daran, dass sie 2019 vor derselben UN-Versammlung gesagt hatte, Venezuela „knie vor keiner imperialistischen Macht nieder.“ Belén Fernández von Al Jazeera schrieb, sie sei „zurückgekehrt, um dem Mann zu danken“, der den Regimewechsel und die Aneignung der Ressourcen vollzogen habe, vor denen sie einst gewarnt hatte. Die Financial Times bemerkte, dass sie „Washington gegenüber eine Ehrerbietung zeigen musste, die die meisten Staatschefs als demütigend empfinden würden.“