Von German-Foreign-Policy.com – 16. September 2026
Der Irankrieg verhindert Öl- und Gaslieferungen vom Persischen Golf; der Ukrainekrieg stoppt russische Dieselexporte und reduziert Erdgaslieferungen: Auch in Deutschland drohen astronomische Öl- und Spritpreise und Erdgasmangel.
US-Energieexperten warnen vor einer umfassenden globalen Energiekrise mit drastisch in die Höhe schnellenden Preisen für Erdöl und Erdgas. In den ersten sechs Monaten des Irankrieges sei es gelungen, die durch die Sperrung der Straße von Hormuz bedingten Ausfälle einigermaßen auszugleichen, heißt es in der US-Ölbranche. Zum einen hätten diverse westliche Staaten ihre strategischen Reserven angezapft; zum anderen habe China seine Importe erheblich zurückgefahren und damit den Nachfragedruck gelindert. Beides werde kaum aufrechtzuerhalten sein, weshalb man mit einem weiteren Preisanstieg bei Öl und Gas rechnen müsse. Schwer wiegt zudem, dass die Ukraine diverse russische Raffinerien mit Drohnenangriffen empfindlich beschädigt hat. Das führt zu Dieselknappheit: Russland, zuvor weltweit zweitgrößter Exporteur, hat die Ausfuhr von Diesel komplett gestoppt. Während in Deutschland und der EU die Erdgasspeicher so schwach gefüllt sind wie noch nie um diese Jahreszeit, beharren Berlin und Brüssel weiterhin auf einem Totalausstieg aus dem Erwerb russischen Flüssiggases Anfang 2027. Russische Lieferungen machten zuletzt 19 Prozent der EU-Flüssiggasimporte aus.
Kein Öl vom Golf
Die Hauptursache für den Anstieg des Ölpreises ist weiterhin die durch den US-Krieg gegen Iran verursachte Sperrung der Straße von Hormuz, durch die vor dem Krieg gut 15 Millionen Barrel Rohöl pro Tag transportiert wurden.[1] Zwar behauptet die Trump-Administration, es gelinge ihr mittlerweile, per Eskorte den Transport von täglich rund zehn Millionen Barrel Öl durch die Meerenge zu ermöglichen. Branchenexperten bestätigen dies allerdings explizit nicht.[2] Es kommt hinzu, dass auch die Ersatzroute vor allem für saudisches Öl auszufallen droht. Riad hatte seit Beginn des Kriegs Rohöl zunehmend per Pipeline nach Yanbu an die saudische Westküste gepumpt und es von dort durch das Rote Meer und die Meerenge bei Djibouti (Bab al Mandab, Tor der Tränen) auf die Weltmeere gebracht. Nun haben in den vergangenen Tagen die mit Saudi-Arabien verfeindeten jemenitischen Huthi die Meerenge vollständig ihrer Kontrolle unterworfen. Damit bleibt Riad nur noch die Option, Rohöl durch den Suezkanal oder durch eine über ägyptisches Territorium verlaufende Pipeline zu exportieren. Erreichbar ist ein Gesamtvolumen von maximal 3,5 Millionen Barrel pro Tag.[3] Auch dies dürfte nun aber eine Zeitlang entfallen: Eine irakische Miliz hat die Pipeline nach Yanbu schwer beschädigt; sie bleibt wohl mehrere Wochen außer Betrieb.[4]