Deutsche Autoindustrie steigt in die Rüstungsproduktion ein – wie unter den Nazis

Von Ludwig Weller – 29. August 2026

Militär-LKW von Rheinmetall. Die Bundeswehr bestellte davon 2024 6500 Stück [Photo by Rheinmetall AG / CC BY-SA 4.0]

Die deutsche Automobilindustrie hat seit 2018, als die Branche 834.000 Menschen beschäftigte, 142.500 Arbeitsplätze abgebaut. Allein im ersten Halbjahr 2026 waren es 42.300. Nun sollen Teile der Auto- und Zulieferindustrie in lukrative Rüstungsbetriebe umgewandelt werden.

Die Rüstungsindustrie benötigt neue Kapazitäten, um die florierende Rüstungsproduktion schnell hochzufahren und Deutschland „kriegstüchtig“ zu machen. Allein Rheinmetall plant, seine Belegschaft in den nächsten drei Jahren von 30.000 auf 40.000 aufzustocken, der Umsatz soll sich bis 2030 teilweise verfünffachen. Deshalb bemüht sich der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) unter dem Slogan „Auto2Defence“ um freie Arbeitskräfte, Fabriken und technisches Wissen aus der kriselnden Automobilindustrie.

Die Bundesregierung stellt gewaltige finanzielle Mittel für die Aufrüstung zur Verfügung. Im Bundeshaushalt sind für 2026 108 Milliarden Euro für Militärausgaben vorgesehen, 2029 sollen es 152 Milliarden Euro sein. Das weckt die Begierden der Konzerne. Nach jüngsten Umfragen verspricht sich jedes dritte Industrieunternehmen neue Geschäftsfelder bei einem Einstieg in die Verteidigungsindustrie.

Der Transformationsprozess in der Auto- und anderen Industrien, der sich durch KI enorm beschleunigt hat, wird auch bei der Neuausrichtung auf Rüstungsprodukte gnadenlos ausgenutzt. Arbeiter werden vor die Wahl gestellt, entweder ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder Kriegsgüter zu produzieren.

Die IG Metall, die früher Sonntagsreden über Frieden und Abrüstung hielt, hat sich dem Kriegs- und Aufrüstungskurs der Bundesregierung angeschlossen. Für Jürgen Kerner, Vize-Chef der IG Metall, lautet die Frage nicht, ob die Gewerkschaft der Umwandlung auf Kriegsproduktion zustimmt oder nicht, sondern wie sie diese am besten unterstützen kann:

Wichtig ist, dass Betriebsrat und IG Metall von Anfang an eingebunden sind, dass der Übergang verlässlich und fair im Sinne der Beschäftigten gestaltet wird und der Arbeitgeber die Beschäftigten für die neue Aufgabe gründlich und umfassend qualifiziert.

Parallelen zu Hitlers Aufrüstung

Die gegenwärtige Expansion der Rüstungsindustrie weist starke Parallelen zur Aufrüstung unter den Nazis auf. Selbst die beteiligten Konzerne und Eigentümerfamilien sind vielfach dieselben.

Die Errichtung eines faschistischen Regimes war in den 1930er Jahren die Grundvoraussetzung, um die gigantische Aufrüstungs- und Kriegsmaschinerie für den Zweiten Weltkrieg in Gang zu setzen. Die deutsche Arbeiterklasse, die überwiegend sozialistisch gesinnt und in zwei Massenparteien, der SPD und der KPD, organisiert war, musste politisch zerschlagen und atomisiert werden. Deshalb finanzierten führende Industrielle wie Thyssen und Krupp Hitler und seine faschistischen Banden. Große Teile der deutschen Bourgeoisie sahen in ihm den letzten Ausweg vor einer drohenden sozialistischen Revolution.

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