Von Florian Rötzer – 6. August 2026

In der Nacht vom 4. auf den 5. August haben die russischen Truppen Kiew und die Umgebung erneut angegriffen. Nach ukrainischen Angaben wurden 115 Drohnen, von denen 98 abgewehrt werden konnten, und 24 Raketen, davon vier Zirkon, eingesetzt, die alle ihr Ziel erreichten. Der ukrainischen Seite fehlen die Abfangraketen, vor allem Patriot-Raketen, die weder die USA noch europäische Länder liefern. Das zeigt auch, dass die europäischen Länder keine eigenen Raketenabwehrsysteme besitzen.
Das russische Ve4rteidigungsministerium erklärte, dass „Transport-, Logistik- und Distributionszentren“ angegriffen wurden, die auch militärischen Zwecken dienen sollen, beispielsweise zur Lagerung und Verteilung von Drohnenteilen oder Dual-use-Gütern. Überdies seien drei Frachtschiffe südlich von Odessa angegriffen worden, die Waffen und militärisches Material des ukrainischen Militärs transportiert hätten. Das geschah vermutlich in Reaktion auf ukrainische Angriffe auf russische Schiffe im Schwarzen Meer.
Aber es liegt auf der Hand, dass diese Angriffe auf zumindest auch wichtige zivile Logistikzentren, die auch Menschenleben forderten, eine Reaktion auf die ukrainischen Angriffe auf Logistikzentren des Onlinehändlers Wildberries war. Seit Mitte Juli griffen ukrainischen Truppen mit Drohnen nicht nur vornehmlich Raffinerien und andere Ziele der Energieindustrie an, sondern Selenskij wollte mit der Ausweitung des Krieges den Krieg in den Alltag der russischen Menschen bringen, damit der Druck auf Putin wachsen sollte, diesen zu beenden. Vorangegangen waren russische Angriffe auf den privaten ukrainischen Lieferkonzern Nova Poshta
Selenskij behauptete nicht sonderlich glaubhaft, dass sich in den Lagerhäusern keinerlei militärische Güter befinden und sie „keinen Bezug zum Krieg“ hätten, zumal er ukrainische Angriffe auf Lagerhäuser von Wildberries, ebenfalls damit begründet hatte, dass der Onlinehändler auch das Militär beliefern würde. Vermutlich sind die Truppen auf beiden Seiten auf private Lieferdienste angewiesen.
Ende Juni hatte Selenskij mit dem damaligen SBU-Chef Yevhenii Khmara, der nach der Entlassung von Fedorov Mitte Juli nur amtierender, weil nicht ziviler wie von der Verfassung vorgesehen Verteidigungsminister wurde, eine vierzigtägige Operation beschlossen, um „Druck auf den Aggressorstaat auszuüben und ihn zum Kriegsende zu zwingen“. Die Ukraine schien im Drohnenkrieg gerade Oberhand zu gewinnen, das sollte ausgenutzt werden, um eine massive Offensive im Drohnenkrieg zu fahren.
Khamara gilt als einer der zentralen Figuren des Krieges mit Langstreckenwaffen auf das russische Hinterland und war verantwortlich für die spektakuläre Operation Spiderweb. Am 18. Juli starteten die Angriffe auf Wildberries, in Brand gesetzt wurde u.a. das größte Auslieferungslager Elektrostal bei Moskau. Es wurden auch mehrere Menschen getötet. Zur Überwindung der russischen Flugabwehr wird diese mit Drohnenschwärmen überwältigt. Allerdings haben die 40 Tage, die am 4. August endeten, die russische Seite nicht zu Veränderungen gezwungen. Der nach Russland verstärkt transportierte Krieg, die Treibstoff- und Versorgungskrise haben keine Proteste ausgelöst. Die angestiegenen Ölpreise stützen die Kriegswirtschaft. Moskau verfolgt im Augenblick weiter eine militärische Lösung und greift nun nach der von Selenskij verkündeten 40-Tage-Operation die Dual-use-Logistik der Ukraine an, die ähnlich wie Angriffe auf die Energie-Infrastruktur, neuerdings die Tankstellen, alle Menschen in der Ukraine betrifft. Die wirtschaftlichen Folgen hat Michael Silnizki in dem Artikel „Russische Blockade des Schwarzen Meeres“ analysiert.