Von Stefano di Lorenzo – 30. Juli 2026

Die Ukraine beschießt mehr und mehr Ziele im Innern Russlands, notabene mit Waffen aus dem Westen und mit westlicher Steuerung der Drohnen und Raketen. Und seit einiger Zeit gehört auch die Krim zu den Zielen des ukrainischen Militärs. De facto verstärkt die Ukraine damit sogar den Willen der Krim-Bewohner, nicht zur Ukraine, sondern zu Russland zu gehören. (cm)
In den letzten Wochen hatte die Ukraine ihre Angriffe auf die Krim massiv verstärkt, jene Halbinsel, die seit langem ein Zankapfel zwischen Russland und der Ukraine ist. Die Angriffe mit Drohnen und Raketen haben systematisch nicht nur militärische Ziele wie Flugplätze getroffen, sondern auch Kraftwerke, Eisenbahnstrecken und Brücken. Russische Schiffe, die Öl und Benzin transportieren, wurden in großer Zahl im Asowschen Meer östlich der Krim getroffen. Auch die Straßen, die von der Südukraine zur Krim führen, sind zu Zielen geworden. Die berühmte Kertsch-Brücke, die die Ukraine in der Vergangenheit zu zerstören versuchte, blieb jedoch vorerst verschont. Tausende Menschen haben die Krim in den vergangenen zwei Monaten über diese Brücke verlassen. Die Ukraine will angeblich die Brücke als Fluchtweg offen lassen — für diejenigen, die die Halbinsel verlassen wollen.
Die ukrainischen Angriffe auf die Krim haben zu häufigen Strom- und Wasserausfällen sowie zu Benzinknappheit geführt. Maria ist Reiseleiterin und Lehrerin, sie wohnt in Sewastopol, wo bis 2022 die russische Flotte stationiert war. „Auf der Krim ist die Lage schwierig“, sagte Maria. „In Dschankoi [im nördlichen Teil der Halbinsel, Anm. d. Red.] gibt es seit über einer Woche keinen Strom mehr. Kühlschränke funktionieren nicht, Geschäfte schließen. Manche haben Generatoren, dort kann man sein Handy für 200 Rubel [etwa 2 Euro, Anm. d. Red.] aufladen.“
In Sewastopol, das weiter von der Front entfernt liegt, scheint die Lage etwas besser zu sein: „Auch hier in Sewastopol haben wir Stromengpässe, Strom haben wir jeweils nur drei Stunden lang. So hat man zumindest Zeit, sein Handy und so weiter aufzuladen. Die Kühlschränke werden nicht warm, die Lebensmittel bleiben gut erhalten. Viele Geschäfte werden mit Generatoren betrieben.“
Und wie reagieren die Menschen auf der Krim? Die Leute seien müde, sagte Maria, aber sie würden alles „mit Verständnis“ hinnehmen: „Wir sind das gewissermaßen gewohnt. Als wir noch zur Ukraine gehörten, wurden Strom, Wasser und Gas ständig rationiert. Wir erinnern uns auch an 2014, als sie [die Ukraine, Anm. d. Red.] die gesamte Stromversorgung unterbrochen haben. Für uns war die Ukraine immer mit Engpässen verbunden.“
Es gibt jedoch etwas, das man nicht so leicht hingenommen hat. Am 10. Juni griff die Ukraine das Museum „Panorama“ an, gewidmet dem Krimkrieg des 19. Jahrhunderts. Das Museum wurde bei dem Angriff „praktisch zerstört“. „Der Brand im Panorama-Museum war das Schrecklichste. Meine Freunde und Kollegen haben mich angerufen und geweint. Das wird man nicht verzeihen können.“