Wie die NATO die Nachschubwege für den Fall eines Krieges mit Russland plant

Von Boris Roschin (Übersetzung: Thomas Röper) – 28. Juli 2026

Die Planungen der NATO für einen Krieg mit Russland sind weit fortgeschritten und werden seit Jahren konsequent verfolgt. Das zeigt sich besonders deutlich an den laufenden Bemühungen der NATO zur Sicherstellung der Treibstoffversorgung der Truppen im Falle eines Krieges mit Russland.

Im Falle eines Krieges zwischen der NATO und Russland ist die Sicherung der Treibstoffversorgung der Truppen für beide Seiten lebenswichtig. Vor diesem Hintergrund muss man übrigens auch die (als ukrainisch bezeichneten) Angriffe der EU auf die russische Ölindustrie sehen, bei denen in der EU produzierte und von der EU bezahlte Drohnen und Raketen auf Ziele tief im russischen Hinterland abgefeuert werden. Das ist der Versuch der EU (oder der NATO), Russlands Militär vor einem anstehenden Krieg mit Europa zu schwächen.

Auf der anderen Seite unternimmt die NATO seit Jahren massive Anstrengungen, die Versorgung ihrer eigenen Truppen mit Treibstoff im Falle eines Krieges mit Russland zu sichern. Darüber hat ein russischer Militärexperte für die TASS einen interessanten Artikel geschrieben, den ich übersetzt habe. […]

Die NATO zieht ihre militärischen Pipelines bis an Russlands Grenzen: Möglichkeiten und Mittel zur Ausschaltung

Boris Roschin über die Fähigkeiten des Bündnisses und worum es im neuen Plan geht.

Die Botschafter aller 32 NATO-Staaten haben das größte Projekt zur Modernisierung der militärischen Treibstoffinfrastruktur in der Geschichte des Bündnisses mit Kosten von 27 Milliarden Euro genehmigt. Der Plan, dessen wichtigste Prioritäten bis 2031 festgeschrieben sind, umfasst sowohl die Erneuerung von 10.000 Kilometern Pipelines aus der Zeit des Kalten Krieges als auch den großflächigen Bau neuer Netze in Ost- und Südosteuropa.

Die ewige „Bedrohung aus dem Osten“

Die Osterweiterung der NATO seit den 1990er-Jahren ging entgegen den Versprechungen stets mit einer Verlagerung der militärischen Logistik in Richtung der Grenzen Russlands und Weißrusslands einher. Konflikte – selbst lokale, wie der andauernde Krieg im Nahen Osten zeigt – erfordern enorme Mengen an Nachschub und unter dem Vorwand der „russischen Bedrohung“ hat die Rüstungslobby der NATO systematisch die Investitionen in die Infrastruktur erhöht. In den Jahren 2023/24 nahm das im Konzept des „militärischen Schengen-Raums“, einer umfassenden Modernisierung von Straßen, Brücken und Eisenbahnknotenpunkten für die schnelle Verlegung von Truppen an die Ostflanke, Gestalt an.

Der Übergang zum Konzept der rotierenden Truppenverlegung im Baltikum, in Polen und Rumänien hat den Block nicht nur zur Errichtung neuer permanenter NATO-Basen in diesen Gebieten veranlasst, sondern auch zur Überprüfung des bestehenden Versorgungssystems in diesem Teil des Kontinents. Seit der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre haben NATO-Manöver in den Regionen der Suwalki-Lücke, des Baltikums, Kaliningrads und Weißrusslands Gefechte mit Russland simuliert und dabei eine gravierende Schwäche offengelegt: nicht nur die geringe Kapazität der Straßen Osteuropas, sondern auch die Unfähigkeit des bestehenden Systems, die Truppen mit Treibstoff zu versorgen.

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