Von German-Foreign-Policy.com – 3. Juli 2026
Außenminister Wadephul bemüht sich in Südamerika um stärkeren Absatz für deutsche Exporte im Mercosur und um besseren Zugriff auf Rohstoffe in Argentinien. Die USA weiten ihre militärische Kontrolle über den Subkontinent aus.
Mit der Stärkung der Beziehungen zum Mercosur und einem neuen Zugriff auf Argentiniens Rohstoffe bemüht sich Außenminister Johann Wadephul um Alternativen für die deutsche Wirtschaft zu den USA und China. Wadephul hatte am Dienstag zunächst an einem Mercosur-Gipfel in Paraguay teilgenommen, bevor er am Mittwoch in Argentinien über einen stärkeren Zugriff deutscher Unternehmen auf die dortigen Rohstoffe verhandelte, darunter Lithium. Am heutigen Freitag setzt Wadephul Gespräche in Brasilien fort, dem wirtschaftsstärksten Land des Mercosur. Berlin wünscht eine Steigerung der Exporte in den südamerikanischen Staatenbund, um von der Ausfuhr in die USA unabhängiger zu werden. Allerdings ist die Trump-Administration gerade dabei, Lateinamerika stärker unter ihre Kontrolle zu bringen. Dazu unterstützt sie ultrarechte Kandidaten bei Wahlen, in Brasilien etwa Flávio Bolsonaro. Darüber hinaus weitet sie unter dem Vorwand, Drogenkartelle und -gangs bekämpfen zu wollen, ihre militärische Kontrolle über den Subkontinent aus. Mittlerweile nimmt sie auch Brasilien ins Visier, das eine gewisse Rückendeckung in engerer Kooperation mit der EU sucht.
Ultrarechte im Aufwind
Die Lateinamerikareise von Außenminister Johann Wadephul erfolgt in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten sich Lateinamerika und die Karibik vollständig zu unterwerfen suchen – vor allem im Bestreben, Chinas Präsenz auf dem Subkontinent einzuhegen und nach Möglichkeit auch wieder zurückzudrängen. Dies sieht die Nationale Sicherheitsstrategie der Trump-Administration ausdrücklich vor (german-foreign-policy.com berichtete [1]). Dazu sind die USA unter anderem bestrebt, in möglichst vielen Staaten der Region ultrarechte Kräfte an die Macht zu bringen. US-Präsident Trump hat sich insbesondere in die Wahlen in Honduras und unlängst in Kolumbien eingemischt [2] und zudem bei Zwischenwahlen in Argentinien mit großzügiger Finanzhilfe für Präsident Javier Milei interveniert – jeweils mit Erfolg: Mileis Partei schnitt überraschend stark ab; in Honduras wie in Kolumbien konnten Rechtsaußenkandidaten jeweils die Wahl für sich entscheiden, wobei in beiden Ländern begründete Vorwürfe der Fälschung zugunsten von Trumps Kandidaten bis heute erhebliche Zweifel an den Wahlergebnissen lassen. Washington mischt sich gegenwärtig auch in den Wahlkampf in Brasilien ein, um Flávio Bolsonaro zum Sieg zu verhelfen, dem Sohn von Ex-Präsident Jair Bolsonaro, der aktuell eine Haftstrafe wegen eines Putschversuchs verbüßt.