Von German Foreign-Policy.com – 1. Juli 2026

Weiterhin drohen Massaker der RSF-Miliz im sudanesischen El Obeid. Die RSF wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt, dem zentralen Kooperationspartner Berlins in Mittelost.
Die Kritik an der Untätigkeit der Bundesrepublik sowie weiterer westlicher Staaten angesichts drohender Massaker der RSF-Miliz in der sudanesischen Großstadt El Obeid nimmt zu. Die RSF bereiten sich darauf vor, El Obeid zu erobern. Bei der Eroberung zweier Großstädte im westsudanesischen Darfur hatten sie 2023 und 2025 jeweils genozidale Massaker an schwarzafrikanischen Bewohnern begangen. Die RSF werden maßgeblich von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt – auch mit Waffen. Die Emirate wiederum sind ein strategisch wichtiger Kooperationspartner des Westens in Mittelost – auch Deutschlands. Sie sind wichtigster Investitionsstandort und größter Absatzmarkt der Bundesrepublik in der Region. Auch zählen sie zu den Hauptkäufern deutscher Waffen außerhalb der NATO. Sogar Waffen mit deutschen Komponenten wurden bereits im sudanesischen Kriegsgebiet gefunden. Für die Emirate ist die Unterstützung für die RSF Teil eines Einflusskampfs am Roten Meer, der bereits zu den Hauptmotiven des Kriegs im Jemen gehörte. Er zielt nicht zuletzt darauf ab, Kooperationspartner Irans wie etwa die Huthi-Miliz von dem strategisch bedeutenden Gewässer zu verdrängen.
Die Post-Erdöl-Ära
Die Vereinigten Arabischen Emirate besitzen für die Bundesrepublik erhebliche ökonomische und strategische Bedeutung. Zum einen sind sie der größte Standort deutscher Investitionen im gesamten Nahen und Mittleren Osten. Zum anderen sind sie auch größter Absatzmarkt für deutsche Exporte an den Persischen Golf. Beides hat damit zu tun, dass sich die Emirate – wie die meisten Staaten der Region – längst auf die Zeit nach der Erdölära vorzubereiten begonnen haben und in diesem Kontext auf den Aufbau einer eigenen High-Tech-Industrie orientieren. Mit den Vereinigten Staaten haben sie in diesem Zusammenhang Vereinbarungen über den Bau milliardenschwerer KI-Rechenzentren getroffen. Deutsche Unternehmen sind besonders im Aufbau traditionellerer Industrien aktiv. Dort liefern sie unter anderem Anlagen und Maschinen sowie Technologie auf Feldern wie Automatisierung und Energieeffizienz.[1] Schon vor Beginn des Irankriegs ging allerdings die Zahl neuer Vorhaben in den Emiraten und damit auch das Volumen der Neuaufträge zurück. Der Irankrieg hat die wirtschaftlichen Aktivitäten in den Emiraten zusätzlich geschädigt. Zwar wird nach dem Ende des Kriegs mit einem Wiederaufschwung gerechnet; die konkreten Ausmaße und die spezifischen Formen sind allerdings ungewiss.
Deutsche Waffen
Darüber hinaus sind die Vereinigten Arabischen Emirate schon lange ein wichtiger Käufer deutscher Rüstungsgüter. Berlin und Abu Dhabi haben bereits im Jahr 2004 eine strategische Partnerschaft geschlossen – zu einer Zeit, als die Emirate in Reaktion auf den Irakkrieg ihre Streitkräfte hochzurüsten begannen. Deutschland gehört nicht zu den Hauptlieferanten der Emirate; dies sind die USA, die in den Jahren von 2020 bis 2024 rund 42 Prozent aller emiratischen Rüstungsimporte stellten, sowie Frankreich, das auf 17 Prozent kam. Beide unterhalten eigene Militärstützpunkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nummer drei ist mit 11 Prozent die Türkei.[3] Allerdings gehören die Emirate bereits seit Jahren zu den wichtigsten Abnehmern deutschen Kriegsgeräts außerhalb der NATO; sie erwerben jährlich Rüstungsgüter in oft sogar dreistelliger Millionen-Euro-Höhe – unter anderem Spürpanzer Fuchs sowie Minenjagdboote. Zuweilen werden Rüstungsgüter über Drittländer geliefert. So verkaufte Frankreich zwischen 1994 und 2002 mehr als 400 Panzer vom Typ Leclerc in die Emirate; Panzer dieses Modells, die deutsche Motoren haben, kamen etwa im Jemenkrieg zum Einsatz. 2016 und 2017, als der Jemenkrieg auf Hochtouren lief, verkaufte Deutschland laut dem Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc) etwa vier Pionierpanzer und 20.000 Mörsergranaten an Abu Dhabi. Hinzu kamen Maschinenpistolen im Wert von 3,5 Millionen Euro.
Anmerkung der Redaktion: Achtzehn Monate lang belagerten die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) die Stadt Al-Faschir in Nord-Darfur. Ziel war die Eliminierung der nicht-arabischen Bevölkerung der Stadt – Amnesty International dokumentiert in dem heute veröffentlichten Bericht „City Under Siege, Children Under Fire“, wie die Zivilbevölkerung von Anfang 2024 bis Oktober 2025 systematisch an der Flucht gehindert, entführt und getötet wurde. Amnesty ordnet die Menschenrechtsverletzungen durch die RSF als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen ein.