Von Wolf Wetzel – 15. Mai 2026
Am 9. Mai 2026 feierte man in Russland den Sieg der Roten Armee über den Faschismus – deutsche Offizielle blieben der Feier fern, sie rüsten das Land für die Revanche auf.
Wenn die Russen etwas beherrschen – außer Bortschtsch-Suppe kochen und Matrjoschka-Püppchen ineinander schachteln –, dann ist es dies: Russen kommen. Immer wieder haben sie das in der Geschichte unter Beweis gestellt, etwa bei ihren Angriffen auf Frankreich 1812 oder auf Nazideutschland 1941. Wen würde es insofern wundern, wenn sie diesen beiden aggressiven Akten bald einen dritten folgen lassen würden: gegen das Deutschland des kriegstüchtigen Kanzlers Friedrich Merz.
Nur unverbesserliche Russlandversteher erheben Einwände gegen dieses Geschichtsbild. Sie geben zu bedenken: Russland hat „uns“ 1945 eben nicht versklavt, sondern tatsächlich vom Faschismus befreit.
Die Russen feiern aus diesem Anlass jedes Jahr am 9. Mai. Deutschland feiert das Datum nie – so als hätten „wir“ Hitler damals lieber noch behalten. Heute in der Ära Putin ist es sowieso vorbei mit dem kurzen Frühling der Entspannung, in dem Deutschland Russland den Zweiten Weltkrieg verziehen zu haben schien. Heute sind die Fronten wieder klar. Friedrich, der große Sprücheklopfer, bastelt an der größten konventionellen Armee Westeuropas, und junge Menschen sollen wieder strammstehen und schießen lernen. Der Autor quittiert diese Art des höchst selektiven Geschichtsbewusstseins mit grimmigem Humor.
Am 8. Mai 2026 demonstrierten Zehntausende Schüler gegen das, was in der Gegenwart noch freiwillig ist, aber dann zum Zwang werden soll, wenn sich nicht genügend junge Menschen für den angeblich abenteuerlichen, attraktiven Job des Soldaten gewinnen lassen. Das zentrale Motto lautete: „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“.
Die Drohung einer Wehrpflicht kommt einer Vision nahe, die mehr mit einer „dunklen“ Vergangenheit zu tun hat, als mit einer Zukunft, die sich dieser zwanghaften Wiederkehr widersetzt.