Von Tom Hall – 4. Mai 2026
Spirit Airlines, die größte Billigfluggesellschaft in den USA, gab am Samstag bekannt, dass sie nach 34 Jahren im Geschäft den Betrieb dauerhaft eingestellt hat. Etwa 17.000 Beschäftigte erfuhren über Nacht, dass sie ihre Stellen verloren haben.
Zehntausende Passagiere und Besatzungsmitglieder strandeten an Flughäfen im gesamten Land, ohne bei ihren Umbuchungen Hilfe zu erhalten. Im gesamten Streckennetz von Spirit kam es zu chaotischen Szenen. In Atlanta kamen Familien zum Gate und fanden weder Personal noch Flugzeuge vor. In Las Vegas und Fort Lauderdale, wo Spirit am stärksten vertreten war, blieben die Ticketschalter leer.
Der Flugbegleiter Freddy Peterson erfuhr um 3 Uhr morgens von der Stilllegung und musste einen Delta-Flug zurück zu seinem Heimatflughafen in Atlanta nehmen. Gegenüber PBS erklärte er: „Ich werde wahrscheinlich zu heulen anfangen, wenn ich ins Auto steige.“ Verkehrsminister Sean Duffy erklärte den Gestrandeten kurz und knapp: „Wenn Sie einen Flug mit Spirit Airlines gebucht haben, kommen Sie nicht zum Flughafen. Dort wird niemand sein, der Ihnen hilft.“
Die unmittelbare Ursache für die Abwicklung von Spirit ist der massive Anstieg der Kerosinpreise infolge des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran und der Schließung der Straße von Hormus. Seit Beginn des Kriegs Ende Februar haben sich die Kerosinpreise fast verdoppelt – von etwa 2,10 Dollar auf über 4 Dollar pro Gallone in den USA, und von 68 auf 153 Euro in Europa.
Spirit hatte von seinem zweiten Insolvenzantrag nach Artikel 11 im August 2025 noch Schulden in Höhe von 8,1 Milliarden Dollar. Es operierte mit einer der dünnsten Gewinnmargen der Branche, ohne jegliche Absicherungen von Treibstoffkosten, und hatte daher keinen Puffer, um diesen Schock zu verkraften.
Am 16. April warnte der geschäftsführende Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA) Fatih Birol, Europa habe noch für „vielleicht sechs Wochen“ Kerosin übrig. Fast drei Wochen davon sind vorbei. In Europa werden 1,6 Millionen Barrel Kerosin pro Tag verbraucht, von denen bisher 500.000 Barrel durch die Straße von Hormus geliefert wurden. Südkorea, der weltweit führende Exporteur von Kerosin, hat angesichts der Verknappung seiner Rohölvorräte aus dem Golf damit begonnen, seine eigenen Exporte einzuschränken.