Wollte der Iran Israel angreifen?

Von Jürgen Hübschen – 23. April 2026

Ahmadineschad
Mostafameraji, CC0, via Wikimedia Commons

Die falsche Behauptung, Iran wolle Israel vernichten: Eine historische Begründung für den heutigen Irankrieg.

Am 26. Oktober 2005 zitierte der damalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad in einer Rede auf einer Konferenz mit dem Thema „Die Welt ohne Zionismus“ den damaligen religiösen Führer, Ayatollah Khomeini und sagte auf Farsi:

„Imam-e rahel dashtand in rezhim-e ishghalgar-e qods bayad az safheh-ye ruzgar mahv shavad.“

Dieser Satz wurde wie folgt falsch ins Englische und Deutsche übersetzt „Israel must be wiped off the map.“ („Israel muss von der Landkarte weggewischt werden.“)

Klar wird die falsche Interpretation der Aussage von Ahmedinadschad in einer Übersetzung von Memri, dem Middle East Media Research Institute, das übrigens von einem ehemaligen Offizier des israelischen Militärgeheimdienstes gegründet wurde. Die auf dem Farsi-Text beruhende, von der offiziellen iranischen Nachrichtenagentur Isna veröffentlichte und von Memri herausgegebene Version der Aussage vom 26. Oktober 2005 lautet:

„This regime that is occupying Qods must be eliminated from the pages of history.“

(„Dieses Regime, das Jerusalem besetzt, muss von den Seiten der Geschichte entfernt werden.“)

Qods – die Heilige – ist der arabische und auch persische Name für Jerusalem.

Bei dem Zitieren des iranischen Präsidenten Ahmedinadschad ist auch der Kontext unberücksichtigt geblieben, in dem er diesen Satz gesagt hat. Seine Äußerung war – wie bereits geschrieben – nämlich ein Zitat Khomeinis, und Ahmadinedschad hatte hinzugefügt, dass das israelische Besatzungsregime verschwinden müsse, so wie das Regime des Schahs verschwunden sei, wie dies Khomeini einst prophezeit habe.

Der britische Journalist Jonathan Steele hatte bereits am 2. Juni 2006 im Guardian auf die fehlerhafte Übersetzung hingewiesen und geschrieben:

„Ahmedinadschad sprach keine militärische Drohung aus. Er forderte ein Ende der Besatzung Jerusalems, irgendwann in der Zukunft. Die ,page of time‘-Formulierung legt nahe, dass er nicht davon ausging, dies werde bald geschehen. Das beinhaltete nicht, dass Chomeini, als er die Äußerung als Erster machte, oder Ahmadinedschad, als er sie wiederholte, dachte, dass dies bald bevorstünde oder dass Iran eine Rolle dabei spielen würde, es Wirklichkeit werden zu lassen.“

Khomeini selbst hatte sich sich wenige Tage nach dem Wirbel um die Äußerungen Ahmadinedschads um Schadensbegrenzung bemüht und gesagt: „Iran wird gegen keine Nation eine Aggression begehen.“

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