90 Tage Öl, null Gramm Metall – die Rohstofflücke hinter der Aufrüstung

Von Michael Hollister – 18. September 2026

Seltene Erden heißen Seltene Erden, weil sie nicht überall ausreichend zu finden sind …

Rheinmetall produziert inzwischen mehr Artilleriegeschosse als die Vereinigten Staaten. 1,1 Millionen Stück im Jahr, aufgewachsen von 70.000 im Jahr 2022, während die US-amerikanische Produktion bei rund 480.000 verharrt – bestätigt vom Vorstandsvorsitzenden Armin Papperger im Mai 2026. Der Verteidigungshaushalt 2026 steht bei 108,2 Milliarden Euro, dem höchsten Stand seit dem Ende des Kalten Krieges, davon allein 14,8 Milliarden Euro für Munition. Deutschland rüstet, wie in „Der Krieg vor dem Krieg – Teil 7″ und dessen Fortschreibung dokumentiert, in einer Geschwindigkeit auf, die vor fünf Jahren undenkbar gewesen wäre.

Am 27. August 2026 bestätigte die Bundesregierung eine Zahl, die zu diesem Bild nicht passt. Auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion antwortete sie: Es gibt in Deutschland keine staatlichen, halbstaatlichen oder im staatlichen Auftrag gehaltenen Vorräte kritischer oder strategischer Rohstoffe. Keine. Nicht wenig, nicht knapp bemessen – keine. Genau jener Materialien, ohne die kein Zünder, kein Radarmodul, kein Präzisionslenkkopf und kein panzerbrechendes Geschoss entsteht, hält der Staat, der sich auf einen möglichen Großkonflikt vorbereitet, nicht ein einziges Gramm in Reserve.

Die sichtbare Nachricht dieser Monate lautet: Rekordaufrüstung. Die unsichtbare lautet, dass jeder Zünder, jeder Drohnenmotor, jedes Radarmodul und jedes panzerbrechende Geschoss durch chinesische Raffinerien läuft – und dass der Staat, der sie in Millionenstückzahl bestellt, von den nötigen Metallen nichts zurücklegt. Zwischen der Schlagzeile und ihrem Fundament liegt eine Lücke, die niemand ausruft.

Beim Öl ist das anders. Der Erdölbevorratungsverband hält gesetzlich vorgeschrieben Bestände in Höhe von 90 Tagen Nettoimport – aktuell rund 15 Millionen Tonnen Rohöl und 9,5 Millionen Tonnen Fertigprodukte, genug, um einen vollständigen Importstopp drei Monate lang aufzufangen. Deutschland bevorratet die strategischen Materialien des vergangenen Jahrhunderts. Für die Metalle des laufenden – die Werkstoffe der Energie-, Digital- und Rüstungswende – hat es keinen Puffer angelegt. 90 Tage Öl, null Gramm Metall.

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