60. Tag im US-israelischen Angriffskrieg gegen Iran und Libanon – VAE verlässt OPEC

Von Peter F. Mayer – 28. April 2026

Iran setzt auf Diplomatie und „strategische Abschreckung“. Israel ignoriert die Waffenruhe und setzt seine Operationen im Südlibanon unvermindert fort, zerstört Infrastruktur und erklärt offen, das Gebiet südlich des Litani-Flusses dauerhaft kontrollieren zu wollen. Gleichzeitig trifft Irans Außenminister Abbas Araghchi in Moskau mit Putin zusammen, um über ein dauerhaftes Kriegsende zu verhandeln. Knalleffekt des Tages: VAEs Austritt aus der OPEC.

Im Libanon eskaliert die Lage trotz der angeblichen Waffenruhe weiter. Israelische Luft- und Drohnenangriffe auf den Südlibanon haben in den letzten Tagen weitere Zivilisten getötet und Infrastruktur zerstört – darunter Strom- und Wasserversorgung sowie Solaranlagen in christlichen Dörfern wie Debel. Tausende Bewohner, die nach der angeblichen Waffenruhe zurückgekehrt waren, mussten erneut fliehen. Israel erklärt offen, Brücken und das Gebiet südlich des Litani-Flusses „kontrollieren“ zu wollen – ein klarer Schritt in Richtung permanenter Besatzung. Hezbollah antwortet mit gezielten Drohnen- und Raketenangriffen auf israelische Stellungen. Libanesische Politiker sprechen von Kriegsverbrechen und einem „US-gestützten Entwaffnungsplan“. (Al JazeeraHaaretz)

Auf iranischer Seite bleibt die Haltung unverändert. Die Revolutionsgarde (IRGC) hat weitere Schiffe im Golf von Hormuz gekapert und hält die strategisch entscheidende Meerenge unter voller Kontrolle. Ghadir-U-Boote, Schnellboote und ballistische Raketen machen jede US-Blockade zum Risiko. Iran hat über 170 US-israelische Drohnen abgeschossen und damit die moderne Drohnenkriegsführung neu definiert.

Außenminister Araghchi hat bereits in Pakistan ein „workable framework“ für ein dauerhaftes Kriegsende vorgelegt und führte in Moskau Gespräche mit Präsident Wladimir Putin. Iran lehnt jede Verhandlung unter Druck und Blockade ab und fordert die sofortige Aufhebung der US-Blockade als Voraussetzung für echte Diplomatie. (PressTVFars News English)

Im Verlauf des Treffens  mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi brachte Präsident Putin die Position Russlands zum Krieg der USA und Israels gegen den Iran deutlich zum Ausdruck und sprach dem Iran seine Unterstützung aus.

„Wir sehen, wie mutig und heldenhaft das iranische Volk für seine Unabhängigkeit und seine Souveränität kämpft. Und natürlich hoffen wir sehr, dass das iranische Volk, gestützt auf diesen Mut und dieses Streben nach Unabhängigkeit, unter der Führung seines neuen Oberhauptes diese schwierige Zeit der Prüfungen überstehen wird und Frieden einkehrt“, sagte Putin während des Treffens.

Die Opferzahlen sind weiter erschreckend hoch: Über 3.375 Tote allein in Iran, mehr als 2.294 im Libanon. Hunderte historische und kulturelle Stätten wurden beschädigt.

Auf X unter dem Hashtag #IranWar dominieren Berichte über anhaltende israelische Verstöße gegen die Waffenruhe, die Zerstörung libanesischer Dörfer und die Frage, ob der Krieg für die USA und Israel bereits strategisch verloren ist.

Die ökonomische Geiselhaft: Öl, Gas und die Straße von Hormus

Die ökonomischen Folgen sind längst in Europa angekommen, auch wenn die Politik versucht, sie als „vorübergehende Marktverwerfungen“ zu verkaufen. Die Blockade-Stimmung in der Straße von Hormus – jenem schmalen Nadelöhr, durch das ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Lieferungen fließt – hat den Brent-Rohölpreis auf über 107 Dollar getrieben.

Während Millionen Europäer unter steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen ächzen, verzeichnet die Rüstungs- und Ölindustrie Rekordgewinne. Global Witness berichtet, dass große Energiekonzerne allein im ersten Monat des Krieges über 30 Millionen Dollar pro Stunde verdient haben. Es ist das klassische Muster: Krieg als Umverteilungsmaschine von unten nach oben.

Das Doppelspiel der Diplomatie

Besonders aufschlussreich ist die Reaktion der Golf-Staaten. Während sie offiziell auf Distanz bleiben, wird hinter den Kulissen um das eigene Überleben gepokert. Die UAE [Vereinigten Arabischen Emirate; die GG-Red.] haben überraschend ihren Ausstieg aus der OPEC+ angedeutet – ein Schock für die Marktstabilität, der das Versagen der bisherigen diplomatischen Vermittlungsversuche unterstreicht. Der Golf-Gipfel in Jeddah offenbarte eine „historisch schwache Position“ der GCC-Staaten [des Golf-Kooperationsrats; die GG-Red.], wie selbst hochrangige Beamte einräumen.

Unterdessen zeigt sich Deutschland – einmal mehr – desillusioniert. Kanzler Friedrich Merz äußerte öffentlich seine Enttäuschung über die US-israelische Strategie, die anfangs „in wenigen Tagen“ das Problem lösen wollte, nun aber in einem langwierigen Abnutzungskampf feststeckt. Der deutsche Versuch, „eigene europäische Ideen“ für eine Lösung zu entwickeln, wirkt dabei hilflos, während man gleichzeitig stramm an der Seite der USA marschiert.

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