Von Nikolaj Gaponenko (übersetzt und eingeleitet von Thomas Röper) – 15. März 2026

Der Iran-Krieg hat gezeigt, wie verwundbar Seetransporte sind. Das werden die Player der weltweiten Energiemärkte berücksichtigen, und es dürfte überall, wo es möglich ist, zu einer Wiedergeburt der Pipelineprojekte führen.
Der Iran-Krieg bestätigt auf spektakuläre Weise die Kritik an der Politik der EU von Leuten wie mir, die immer wieder auf die Gefahren hingewiesen haben, die der Umstieg von russischem Pipelinegas auf LNG-Lieferungen per Tanker mit sich bringt. Das wurde als russische Propaganda bezeichnet, dabei stehen dahinter handfeste Argumente, die man im in der EU herrschenden anti-russischen Wahn nicht sehen will.
Pipelines haben gegenüber Tankern gleich mehrere Vorteile: Man kann sie nicht einfach umleiten, der Transport ist billiger und auch noch umweltfreundlicher. Und auch die Preise sind stabiler und niedriger.
Der Grund für die niedrigeren Preise ist neben der Tatsache, dass der Transport über Pipelines billiger ist als mit Tankern, bei denen Gas für viel Geld und mit hohem Energieaufwand erst verflüssigt und gekühlt, und dann wieder vergast werden muss, dass Pipelinetransporte zu langfristigen Verträgen abgewickelt werden, die stabile Preise und stabile Lieferungen garantieren, während das Gas auf Tankern über kurzfristige Bestellungen geordert wird, bei denen die Preise von den Launen der Märkte abhängen.
Hätte Europa heute noch das russische Pipelinegas, würde es – zumindest beim Gas – von dem Krieg im Nahen Osten gar nichts merken. Aber die EU hat in ihrer Weisheit anders entschieden und sich damit schon in „normalen Zeiten“ dem Risiko von Preisschwankungen und den Launen der Gasproduzenten ausgesetzt, die ihre Gastanker jederzeit in andere Regionen der Welt umleiten können, was bei Pipelines nicht geht. Und nun hat der Iran-Krieg gezeigt, dass die EU sich auch noch den Launen der internationalen Politik ausgesetzt hat, die die Energiemärkte durcheinander bringen können.
Ein russischer Energieexperte hat vor einigen Tagen in einem Artikel für die TASS erklärt, welche langfristigen Veränderungen auf den weltweiten Energiemärkten bevorstehen und warum vor allem die EU in der Energiepolitik strategische Fehler gemacht hat. Ich habe den Artikel übersetzt. […]
Es riecht nach Bruch: Warum der Nahostkonflikt nicht auf regionale Erschütterungen beschränkt bleibt
Nikolaj Gaponenko, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und außerordentlicher Professor am Institut für Recht und Nationale Sicherheit, über die Transformation des Persischen Golfs zum Epizentrum von Ereignissen, die das gesamte globale Energiesystem grundlegend verändern können, und die damit verbundenen Konsequenzen.
Die Welt tritt in eine neue Energierealität ein. Die aktuelle Krise ist nicht nur ein weiterer Preisschock, sondern ein struktureller Bruch. Die Ära, in der Energie relativ leicht zugänglich und global verfügbar war, weicht einer Ära der Fragmentierung, hoher Risiken und permanenter Volatilität. Der Nahe Osten ist nicht länger nur eine „Region der Instabilität“, er ist zum Epizentrum geworden, in dem sich das Schicksal der Globalisierung entscheidet.