Warum Russlands Rechnung trotz anfänglicher Fehleinschätzungen aufgegangen ist

Von Thomas Röper – 14. Januar 2026

Die Europäer wollen in der Ukraine einen Waffenstillstand erreichen, Russland fordert hingegen eine umfassende Friedensregelung. Dafür hat Russland Gründe, über die in Europa noch kaum berichtet wurde, die in Russland aber immer offener genannt werden.

Es ist allgemein bekannt, dass die europäischen Unterstützer der Ukraine einen möglichst sofortigen Waffenstillstand fordern, während Russland zunächst eine umfassende Friedensregelung für die Ukraine fordert. Auch die Gründe sind hinlänglich bekannt: Die Europäer wollen eine Atempause für die Ukraine erreichen, um die Ukraine neu zu bewaffnen, ihre Truppen aufzufrischen und ihre Stellungen zu befestigen. Die Europäer wollen keine ernsthaften Verhandlungen mit Russland, die sie ja schon jetzt führen könnten, sondern sie wollen eine Kampfpause erreichen, um die Kampfhandlungen nach einer gewissen Zeit wieder aufzunehmen, während Russland den Konflikt nicht einfrieren, sondern endgültig lösen will.

Das ist bekannt, aber es kommt noch etwas hinzu, was nur selten erwähnt wird.

Russlands gescheiterte Strategie

Ich denke, inzwischen sind sich alle einig, dass Russlands ursprüngliche Strategie etwas naiv war und gescheitert ist. Ursprünglich hatte man in Russland wohl wirklich gehofft, mit der großangelegten Invasion in der Ukraine vom Februar 2022 in Kiew einen so großen Schock auszulösen, dass das Regime von selbst fällt oder dass die Armee putscht und damit in Kiew Kräfte an die Macht kommen, die vielleicht nicht pro-russisch, aber zumindest rational und vernünftig sind und daher verstehen, dass die Ukraine als Staat nur dann eine Chance hat, wenn sie als neutrales Land, als Puffer oder auch als Brücke, zwischen der EU und Russland fungiert.

Russlands Vorstellung war naiv, weil die USA und die EU in der Ukraine seit 2014 ein so festes Netz aus Anhängern, ihren Leuten in Schlüsselpositionen von Verwaltung und Bürokratie und auch in der Armee geschaffen haben, dass es unrealistisch war, darauf zu hoffen, ein kleiner Schreck würde ausreichen, um in Kiew eine Machtwechsel auszulösen.

Das hat man in Russland spätestens im April 2022 auch verstanden, als Kiew die schon fast abgeschlossenen Friedensverhandlungen in Istanbul auf Druck des Westens abgebrochen und verkündet hat, die Entscheidung müsse auf dem Schlachtfeld erfolgen.

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