USA und Iran: keine Einigung, kein Frieden, keine Lösung

Von Elena Fritz – 12. April 2026

Die Gespräche zwischen Washington und Teheran sind ohne Ergebnis zu Ende gegangen. US-Vizepräsident J. D. Vance reiste nach 21 Stunden Verhandlung aus Islamabad ab, ohne dass ein Abkommen zustande kam. Seine Botschaft war ebenso knapp wie aufschlussreich: Die USA hätten ihre letzte Position vorgelegt, Iran habe sie nicht akzeptiert.

Das ist keine Randnotiz. Es zeigt vielmehr, wie tief der Konflikt in den entscheidenden Punkten festgefahren ist. Denn strittig waren nicht Detailfragen, sondern die eigentlichen Kernfragen der Macht.

Erstens: Iran will sich die Kontrolle über die Straße von Hormus nicht aus der Hand nehmen lassen und offenbar auch wirtschaftlich von ihrer Nutzung profitieren.

Zweitens: Teheran ist nicht bereit, die Urananreicherung aufzugeben.

Drittens: Iran verlangt de facto eine Art Entschädigung für die Verwüstungen, die Krieg, Druckpolitik und Sanktionen angerichtet haben.

Washington lehnt all das ab.

Dass die Gespräche unter solchen Bedingungen scheitern, überrascht daher nicht. Bemerkenswert ist eher etwas anderes: Trump erklärte anschließend, die Ergebnisse der Verhandlungen seien für ihn nicht entscheidend, weil die USA ihre Ziele bereits erreicht hätten. Das klingt nicht nach Selbstbewusstsein, sondern eher nach dem Versuch, ein Ausbleiben politischer Ergebnisse nachträglich als Erfolg umzudeuten.

Denn der eigentliche Befund ist ein anderer: Washington will offenbar keinen neuen großen Krieg, kann Teheran aber zugleich auch nicht zu den eigenen Bedingungen in ein Abkommen zwingen. Genau darin liegt der strategische Kern der Lage.

Was folgt daraus? Kein Frieden. Aber wohl auch kein unmittelbarer großer Flächenbrand. Wahrscheinlicher ist ein Zustand, den man als dauerhaftes, nervöses Patt beschreiben muss: Waffenruhe statt Ordnung, Abschreckung statt Verständigung, Drohungen statt Lösung.

Für Iran eröffnet das Spielräume. Teheran dürfte versuchen, seinen Einfluss rund um Hormus politisch und wirtschaftlich auszubauen. Und ebenso spricht vieles dafür, dass das iranische Atomprogramm weiterlaufen wird — vielleicht verdeckter, vorsichtiger, aber kaum aufgegeben.

Gleichzeitig ist fast ebenso absehbar, dass die USA und Israel immer wieder zu begrenzten Schlägen gegen iranische Nuklearanlagen greifen werden, sobald sie den Eindruck gewinnen, Teheran überschreite eine rote Linie. Auch das ist kein Weg zum Frieden, sondern die Logik eines Konflikts auf Abruf.

Innenpolitisch hat das iranische Regime diese Eskalation eher überstanden als beschädigt. Der äußere Druck hat es bislang nicht destabilisiert, sondern eher gefestigt. Und auch das ist aus westlicher Sicht eine unangenehme Wahrheit.

Für Trump ist das Ergebnis deshalb schwerlich als Erfolg zu verbuchen. Wenn man keinen Krieg will, aber auch keinen politischen Durchbruch erreicht, bleibt am Ende nur die Verwaltung des ungelösten Konflikts. Genau das sehen wir hier.

Noch wichtiger ist jedoch die größere geopolitische Linie: Die USA verlieren im Nahen Osten erkennbar an Durchsetzungskraft. Sie können drohen, sanktionieren, bombardieren. Aber sie können die politische Ordnung der Region immer weniger nach ihren Vorstellungen formen. Das ist der eigentliche Hintergrund dieser gescheiterten Gespräche.

[Quelle: #geopolitik@global_affairs_byelena]

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