Von der WSWS-Redaktion – 24. März 2026

Das Ultimatum, das US-Präsident Donald Trump am Samstagabend auf seinem Social-Media-Kanal veröffentlichte und am Montag verlängerte, muss als das verstanden werden, was es ist: eine Drohung mit völkermörderischer Gewalt gegen eine Nation von 90 Millionen Menschen, untermauert durch die ausdrückliche Drohung, die Infrastruktur zu zerstören, von der ihr Leben abhängt. „Wenn der Iran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 STUNDEN VOLLSTÄNDIG UND OHNE DROHUNGEN ÖFFNET“, schrieb Trump, „werden die Vereinigten Staaten von Amerika seine verschiedenen KRAFTWERKE – BEGINNEND mit DEM GRÖSSTEN – angreifen und zerstören.“
Dies ist ein Akt politischer Kriminalität, wie er seit dem Zweiten Weltkrieg ohne Beispiel ist. Der einzige historische Vergleich, den man ziehen könnte, ist das Ultimatum, das die Truman-Regierung im August 1945, nach den Atombomben-Abwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, an Japan richtete. Keine andere Regierung in der modernen Geschichte hat jemals so unverblümt damit gedroht, die elementaren Lebensgrundlagen einer gesamten Zivilbevölkerung als Bedingung für politische Unterwerfung zu zerstören.
Der Iran betreibt über 110 Kraftwerke. Auch eine nur teilweise Zerstörung würde eine Kette humanitärer Katastrophen auslösen, die sich über Tage, Wochen und Monate hinziehen würde. Innerhalb von 72 Stunden käme es zum Stromausfall in den Krankenhäusern, wodurch Tausende von Patienten, die auf lebenserhaltende Maßnahmen, Dialyse oder Beatmungsgeräte angewiesen sind, in unmittelbare Lebensgefahr gerieten. Innerhalb weniger Tage würden landesweit die Wasserpumpen ausfallen, und die Abwasserentsorgung würde zusammenbrechen, was die Voraussetzung für Massenausbrüche von Cholera, Typhus und Ruhr schaffen würde.
Trump präzisierte nicht, was er mit „DEM GRÖSSTEN“ meinte, doch das leistungsstärkste Kraftwerk im Iran ist das Damavand-Kombikraftwerk, das eine Leistung von 2.868 Megawatt erreicht. Es liegt 35 Kilometer südöstlich des Zentrums von Teheran und ist der wichtigste Stromknotenpunkt der Hauptstadt. Rund zehn Millionen Menschen wären gleichzeitig ohne Strom.
Hinzu kommt das Atomkraftwerk Bushehr, Irans einziger in Betrieb befindlicher kommerzieller Reaktor, der an der Golfküste liegt. Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Rafael Grossi, weist schon warnend darauf hin, dass ein direkter Angriff auf Bushehr „zu einer sehr hohen Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt führen könnte“, mit Folgen, die weit über den Iran hinausreichen. Doch um eine Katastrophe auszulösen, braucht es nicht einmal einen solchen direkten Angriff.
Die IAEO hat einen zweiten, ebenso verheerenden Mechanismus identifiziert: die Zerstörung der beiden Hauptstromleitungen, die das Kraftwerk mit Strom versorgen. Dies würde zum Schmelzen des Reaktorkerns führen und einen katastrophalen Ausfall der kritischen Sicherheitssysteme der Anlage auslösen. Selbst ohne eine Kernschmelze könnte ein Angriff auf das Kraftwerk in Bushehr zu einem Austritt von Radioaktivität in den Persischen Golf führen, was das Trinkwasser für Millionen von Menschen in der gesamten Region verseuchen würde.