Von Andrew Korybko – 3. April 2026

Im Nachhinein betrachtet hätte sich Pakistan niemals dazu verpflichten dürfen, Saudi-Arabien zu verteidigen, noch hätte es sich in die Vermittlung zwischen den USA und dem Iran einmischen dürfen.
Trump erklärte in seiner Ansprache an die Nation: „Wenn es keine Einigung gibt, werden wir jedes einzelne ihrer Kraftwerke sehr hart und wahrscheinlich gleichzeitig treffen. Wir haben ihre Ölförderanlagen noch nicht angegriffen, obwohl das das einfachste Ziel von allen ist, denn das würde ihnen nicht einmal die geringste Chance auf Überleben oder Wiederaufbau lassen. Aber wir könnten sie treffen, und sie wären weg. Und sie könnten nichts dagegen tun.“ Trump wird die Weltordnung radikal verändern, wenn er diese Drohung wahr macht.
Wie hier bereits erläutert, hat der Iran bereits zu Abschreckungszwecken gedroht, symmetrisch gegen die Energieinfrastruktur der Golfstaaten zurückzuschlagen, was dann den Großteil der regionalen Energieexporte für Jahre lahmlegen und somit Afro-Eurasien (mit Ausnahme Russlands) ins Chaos stürzen würde. Die USA wären von diesem Chaos weitgehend abgeschirmt, indem sie sich in die „Festung Amerika“ zurückziehen, von wo aus sie dann die östliche Hemisphäre auf unbestimmte Zeit nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ beherrschen könnten, mit minimalem Risiko für ihre Kerninteressen.
Trump gab einen Zeitrahmen von zwei bis drei Wochen an, bevor er diese geradezu apokalyptische Abfolge in Gang setzt, was Pakistan enorm unter Druck setzt, nachdem es die Rolle des Vermittlers zwischen den USA und dem Iran übernommen hat. Pakistan schien sich vorzustellen, es könne in diesem neuen Kalten Krieg ein historisches Abkommen zwischen den beiden Seiten aushandeln, so wie es im alten Kalten Krieg dazu beigetragen hatte, das historische Abkommen zwischen China und den USA zu vermitteln. Das war eine grobe Überschätzung seiner aktuellen diplomatischen Fähigkeiten und eine völlige Fehleinschätzung der Lage.
Es gibt keinen Vergleich zwischen dem US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran und früheren Spannungen zwischen China und den USA, noch zwischen den an beiden Beispielen beteiligten Regierungen, und anders als damals will keine der beiden Seiten Kompromisse eingehen. Die USA fordern die Kapitulation des Iran, doch der Iran lehnt dies als inakzeptabel ab. Das war vorhersehbar, daher stellen sich Fragen zu Pakistans Motiven für die Vermittlung, da dies im Grunde eine unmögliche Aufgabe ist. Sein wahrscheinlichstes Interesse daran trotz der widrigen Umstände war vermutlich die verzweifelte Hoffnung auf einen wundersamen Durchbruch.
Die weitere Eskalation des Konflikts durch groß angelegte iranische Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten, mit denen Teheran gedroht hat, um die USA davon abzuhalten, ihm dies anzutun, könnte dazu führen, dass die Saudis das im vergangenen September geschlossene gegenseitige Verteidigungsbündnis mit Pakistan aktivieren. Pakistan will keinen Krieg gegen den Iran führen, da dies seine Streitkräfte, die bereits gegen Afghanistan im Krieg stehen, überfordern und möglicherweise massive Proteste seiner schiitischen Minderheit auslösen würde, die außer Kontrolle geraten könnten.
Dennoch würde eine Ablehnung der saudischen Bitte die Geldhähne des Königreichs endgültig zudrehen und einem Verrat gleichkommen, nachdem Riad Islamabad im Laufe der Jahre schon mehrfach aus der Patsche geholfen hat – ganz zu schweigen davon, dass dies möglicherweise massive Proteste der sunnitischen Mehrheit in Pakistan auslösen würde, die Saudi-Arabien geradezu verehrt. Trumps nationale Ansprache stürzte Pakistan daher in ein Dilemma, das es sich allein selbst zuzuschreiben hat, da es sich im Nachhinein betrachtet niemals hätte verpflichten dürfen, Saudi-Arabien zu verteidigen, noch sich in die Vermittlung zwischen den USA und dem Iran hätte einmischen dürfen.
Sofern sich die zivile Regierung des Iran nicht dazu entschließt, nach Ausarbeitung einer relativ „gesichtswahrenden“ Kapitulation nachzugeben bzw. sie sie nicht vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) daran gehindert wird, könnte Trump seine apokalyptische Drohung wahr machen und damit die Weltordnung grundlegend verändern. Jeder in Afro-Eurasien mit Ausnahme Russlands würde in der Folge darunter leiden, und während es [selbst dann noch] unterschiedliche Meinungen darüber geben wird, wem die Schuld zuzuschreiben ist, würde Pakistan sicherlich einen Teil der Last tragen, da es unrealistische Erwartungen hinsichtlich seiner wohl zum Scheitern verurteilten Vermittlungsbemühungen geweckt hat.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.