Von Karin Leukefeld – 27. Februar 2026

Karin Leukefeld, unsere Spezialistin für den Nahen und Mittleren Osten, weilt gerade wieder in Beirut. Konfrontiert mit einer fast trostlosen Situation, sieht sie die dort lebenden Menschen aus nächster Nähe – wie sie Angst haben, wie sie mit immer höher werdenden Preise konfrontiert werden, wie sie anständig bezahlte Arbeit suchen. Und so tauchen auch viele Erinnerungen auf. (cm)
Das schrieb mir ein Friedensaktivist im Februar 2003 in mein Notizbuch. Wir waren in Bagdad. Die Aktivisten waren zu Hunderten aus allen Teilen der Welt als „Human Shilds“, als menschliche Schutzschilde gekommen, um die zivile Infrastruktur der irakischen Hauptstadt durch ihre permanente Anwesenheit vor Angriffen zu bewahren. Ich schrieb auf, was diese Aktivisten bewegte und was irakische Gesprächspartner aus nahezu allen Teilen der Gesellschaft bereit waren, einer deutschen Journalistin zu sagen. Hochrangige ehemalige UN-Diplomaten kamen nach Bagdad, um für Frieden und Dialog zu werben. Weltweit gab es große Demonstrationen gegen den Krieg. Selbst in Deutschland gingen Hunderttausende auf die Straße und forderten „Kein Blut für Öl“. Mancher wird sich erinnern.
Seit Anfang des Jahres 2003 fielen Journalisten und Filmteams in Bagdad ein wie „Geier, die auf ihre Beute lauern“, wie ein Kollege es ausdrückte. Die aus Europa, den USA und aus Australien kamen, waren sich mehrheitlich einig, dass der Irak Massenvernichtungswaffen versteckt hatte und die UNO anlog. Die arabischen Journalisten waren eher der Meinung, dass der von den USA und der „Koalition der Willigen“ geplante Krieg völkerrechtswidrig und illegal sei. Ziel sei das Öl und die Kontrolle der Region. Es sei unwahrscheinlich, dass der Irak Massenvernichtungswaffen versteckt habe. Bei den vielen Razzien der UNSCOM sei nichts gefunden worden.