Schlafwandelnd in den Atomkrieg?

Von Ivana Nikolić Hughes und Peter Kuznik – 1. Februar 2026

Anfang Februar läuft mit dem New-START-Vertrag nicht nur der letzte atomare Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland aus, auch der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen gerät immer mehr in Gefahr. Beim US-Thinktank Quincy Institute for Responsible Statecraft ist ein Artikel über die Gefahr erschienen, dass das nukleare Wettrüsten auf immer mehr Staaten übergreifen und damit außer Kontrolle geraten könnte. Thomas Röper hat den sehr lesenswerten Artikel übersetzt.

Wir schlafwandeln in eine nukleare Katastrophe

Wie Trumps Invasion in Venezuela zeigt, ist der führende Vertrag zur Nichtverbreitung von Nuklearwaffen erodiert und läuft Gefahr, irrelevant zu werden.

Von Ivana Nikolić Hughes und Peter Kuznik

Im Mai seines ersten Amtsjahres traf sich John F. Kennedy mit dem israelischen Präsidenten David Ben-Gurion, um Israels Atomprogramm und das neue Kernkraftwerk in Dimona zu besprechen.

Über das sogenannte „Nukleare Gipfeltreffen“ schreibt der israelische Historiker Tom Segev in „A State at Any Cost: The Life of David Ben-Gurion“ (Ein Staat um jeden Preis: Das Leben von David Ben-Gurion), dass Ben-Gurion bei dem Treffen „nicht viel vom Präsidenten bekam, der keinen Zweifel daran ließ, dass er es Israel nicht erlauben würde, Atomwaffen zu entwickeln“.

Präsident Kennedy war alarmiert über die Aussicht auf eine Welt, in der mehr Staaten in den Besitz von Atomwaffen gelangen, und betrachtete insbesondere Israels Erwerb von Atomwaffen als problematisch. Er argumentierte, dass, wenn es uns nicht gelänge, unsere Verbündeten davon zu überzeugen, diese Waffen nicht zu entwickeln, wenig Hoffnung bestünde, jene zu überzeugen, mit denen wir weniger freundschaftliche Beziehungen unterhielten.

Kennedys Furcht vor nuklearer Proliferation wuchs nach den erschreckenden Ereignissen der Kubakrise im Oktober 1962 noch weiter, die ihm vor Augen führten, wie leicht die menschliche Zivilisation enden könnte, sollten Atomwaffen in einem Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion eingesetzt werden. Eine Welt mit „15 oder 20 oder 25 Nationen“, die über Atomwaffen verfügen, würde zwangsläufig immer gefährlicher werden, erklärte Kennedy in seiner berühmten Abschlussrede 1963 an der American University.

Diese Diagnose wurde zur grundlegenden Begründung für den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, der in den Jahren nach Kennedys Tod ausgehandelt, 1968 von zentralen Staaten unterzeichnet und 1970 in Kraft gesetzt wurde.

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