Von Andrew Korybko – 17. Februar 2026

Trump 2.0 will umfassende Reformen der westlichen Zivilisation vorantreiben, um einen neuen „Zivilisationsstaat“ zu schaffen, der seine dann wiedergewonnene kollektive Stärke uneingeschränkt einsetzen würde, um aufstrebende Rivalen zu zwingen, sich ihm unterzuordnen, um die Unipolarität, also die uneingeschränkte US-amerikanische Dominanz wiederherzustellen.
Marco Rubio, der aufgrund seiner Funktionen als Außenminister und nationaler Sicherheitsberater zu den mächtigsten Persönlichkeiten der USA zählt, hielt am vergangenen Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine historische Rede, in der er die von Trump 2.0 angestrebte neue Weltordnung detailliert darlegte. Seine Worte waren geprägt von der Nationalen Sicherheitsstrategie, der Nationalen Verteidigungsstrategie und der „Trump-Doktrin“, über die sich die Leser anhand der vorangegangenen Analysen, auf die die Hyperlinks verweisen, näher informieren können. Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über seine Rede, stellt sie in einen Kontext und analysiert sie.
Rubio kritisierte scharf die Vorstellung, dass nach dem Ende des Kalten Krieges „das Ende der Geschichte” gekommen sei, in der sich liberale Demokratien angeblich weltweit ausbreiten und die „regelbasierte Weltordnung” nationale Interessen ersetzen würde. Rubio kritisierte insbesondere die Auslagerung von Industriezweigen an Gegner und Rivalen, die Auslagerung von Souveränität an internationale Institutionen, die Selbstverarmung „zur Beschwichtigung eines Klimakults“ und die Massenmigration, die er allesamt als Fehler bezeichnete, die die USA korrigieren wollen.
Rubio erklärte, dass Trump 2.0 die westliche Zivilisation notfalls auch alleine erneuern und wiederherstellen werde, dies aber lieber gemeinsam mit Europa tun wolle, aus dem die USA hervorgegangen seien. Anschließend lobte er in großspuriger Weise ihre gemeinsame Zivilisation in vielerlei Hinsicht, bevor er behauptete, dass deren Wiederbelebung ihre Streitkräfte inspirieren werde. Zuvor war er auf die Pläne von Trump 2.0 eingegangen, die Reindustrialisierung voranzutreiben, die Massenmigration zu beenden und zu diesem Zweck die globale Governance zu reformieren, was seiner Meinung nach den westlichen Massen greifbare Vorteile bringen werde.
Weit entfernt von der isolationistischen Politik, die manche Panikmacher den USA unterstellten, wolle das Land vielmehr sein globales Bündnisnetzwerk optimieren, was jedoch nur durch eine gerechtere Lastenteilung möglich sei. Die Wiederherstellung des Stolzes auf die westliche Zivilisation ist ein weiteres wichtiges außenpolitisches Ziel von Trump 2.0. Diese angestrebte Weltordnung orientiert sich eindeutig an den Werken von Samuel Huntington und Alexander Dugin zum Zivilisationismus, die sich auf den Aspekt der gemeinsamen Identität als einen zunehmend wichtigen Faktor in globalen Angelegenheiten konzentrieren.
Wie zu erwarten war, durchzog das Konzept des amerikanischen Exzeptionalismus Rubios Rede, was sich darin zeigte, dass er erklärte, die USA würden die westliche Zivilisation notfalls im Alleingang wiederherstellen, und dass er den vermeintlichen „endgültigen Niedergang“ des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg als „Entscheidung“ bezeichnete. Das deutet darauf hin, dass die Trump-Regierung Multipolarität, also den Aufstieg anderer Zivilisationsstaaten, die ein Gegengewicht zu der von Trump 2.0 angestrebten neuen westlichen Zivilisation bilden könnten, nicht für unvermeidlich hält.
Das bedeutet nach diesem Verständnis, dass der Aufstieg anderer Pole (wie auch immer sie bezeichnet werden [Länder, Zivilisationsstaaten, Blöcke usw.]) nicht auf deren eigene Politik zurückzuführen ist, sondern als das Ergebnis der kontraproduktiven Politik des Westens verstanden wird. Das ist fragwürdig, denn es ist zwar richtig, dass beispielsweise Nixons Entspannungspolitik zwischen China und den USA während des Kalten Krieges die Grundlage für den Aufstieg Chinas schuf, aber die Kommunistische Partei Chinas lenkte diesen Prozess, um die nationale Souveränität ihres Landes zu schützen und China zu einer wirtschaftlichen Supermacht zu machen.
Was Trump 2.0 erreichen möchte, ist die umfassende Reform der westlichen Zivilisation mit dem Ziel, einen neuen „Zivilisationsstaat“ zu errichten, der seine dann wiedergewonnene kollektive Stärke uneingeschränkt einsetzen würde, um aufstrebende Konkurrenten zu zwingen, sich ihm unterzuordnen, um schließlich die Unipolarität, also die uneingeschränkte US-amerikanische Dominanz wiederherzustellen. Die USA unter Trump 2.0 haben im vergangenen Jahr zwar einige außenpolitische Erfolge erzielt, aber das bedeutet nicht, dass es ihnen gelingen wird, die westliche Zivilisation nach ihren Vorstellungen zu reformieren, daraus einen „Zivilisationsstaat“ zu schaffen und dann die ganze Welt zu kontrollieren.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.