Von Johannes Stern – 6. Februar 2026
Um die eigene Aufrüstung und den Vorstoß zu einer neuen deutschen Großmachtpolitik zu rechtfertigen, behaupten Politik und Leitmedien regelmäßig, Berlin stehe – anders als die USA unter Trump, Russland oder China – für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass diese Darstellung nichts als Propaganda ist, dann war es die Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz in die Golfmonarchien Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – und allen voran sein zweieinhalbstündiges persönliches Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.
Bin Salman als „reaktionär“ zu bezeichnen, wäre eine grobe Verharmlosung. Er ist kein Menschenrechtler, sondern ein Menschenzerstückler. Der saudische Kronprinz war direkt in den bestialischen Mord am Journalisten und Regimegegner Jamal Khashoggi involviert. Khashoggi wurde am 2. Oktober 2018 in das saudische Konsulat in Istanbul gelockt, um Dokumente für seine bevorstehende Hochzeit abzuholen. Er verließ das Gebäude nie wieder.
Die Details seines Martyrium sind seit Jahren bekannt. Bereits kurz nach seinem Verschwinden erklärte die türkische Regierung, sie verfüge über Ton- und Videoaufnahmen, die belegten, dass Khashoggi im Konsulat verhört, gefoltert und anschließend ermordet wurde. Auf den Aufnahmen sei zu hören, wie er bei lebendigem Leib zerstückelt und seine Leiche später in Säure aufgelöst wurde.
All dies ist der Bundesregierung ebenso bekannt wie den anderen imperialistischen Mächten, die nach einer kurzen Phase gespielter Distanz längst wieder geschlossen nach Riad pilgern. Im Februar 2021 veröffentlichte selbst die US-Regierung einen Geheimdienstbericht, dem zufolge Mohammed bin Salman den Mord persönlich „gebilligt“ habe. Die Täter stammten aus seinem engsten Umfeld.