Kommt jetzt das Ende der NATO?

Von Thomas Oysmüller – 9. April 2026

Donald Trump ist verärgert über die NATO, die sich seinem Krieg gegen den Iran nicht angeschlossen hat. Nutzt er dies, um die USA aus der NATO zu holen?

Ein Verlierer im Iran-Krieg dürfte feststehen: die NATO. Präsident Donald Trump wirft den europäischen Verbündeten vor, die Allianz im Stich gelassen zu haben – ausgerechnet im US-geführten Krieg gegen den Iran. Trump bezeichnete die NATO als „Papiertiger“, der „getestet wurde und versagt hat“. Nach Verkündung des „Waffenstillstands“, wie echt dieser auch sein mag, thematisiert Trump nun offen einen US-Austritt.

Trumps Kritik an der NATO ist nicht neu. Schon in seiner ersten Amtszeit forderte er von den EU-NATO-Staaten mehr Verteidigungsbudget. Europa profitiere einseitig vom US-Schutzschirm, während die USA die Hauptlast tragen. Nach dem Amtsantritt 2025 verschärfte sich der Ton: Trump forderte höhere Beiträge und drohte mit einem Truppenabzug aus Europa. Der Iran-Krieg könnte nun als Hebel dienen, um diesen Plan umzusetzen. Die wenigsten Beobachter glauben, dass das realistisch ist. Jedoch: Bei Trump weiß man nie. Das zumindest hat er schon bewiesen.

Trump verlangte von den NATO-Partnern, Schiffe zur Sicherung der Meerenge zu schicken. Die Europäer lehnten ab: Italien, Spanien und andere Staaten verweigerten sogar Überflugrechte für US-Maschinen.

Trump reagierte mit Wut. „Sie sind extra nicht gekommen, um zu helfen“, sagte er. NATO-Generalsekretär Mark Rutte traf Trump am 8. April 2026 in Washington – offiziell zur Schadensbegrenzung. Aber wie könnte ein NATO-Austritt formal aussehen und was würde das für die EU-Bürger bedeuten?

Artikel 13 des Nordatlantikvertrags regelt den Ausstieg klar: Ein Mitglied kann nach einer einjährigen Kündigungsfrist austreten. Die USA müssten die Kündigung an alle anderen 31 Mitglieder weiterleiten. Ein Jahr später wäre Washington raus.

Allerdings gibt es in den USA eine Hürde: Der National Defense Authorization Act von 2024 verbietet dem Präsidenten einen einseitigen Austritt. Trump bräuchte entweder die Zustimmung von zwei Dritteln des Senats oder ein Gesetz des Kongresses. Experten erwarten im Falle eines Versuchs massive Rechtsstreitigkeiten und eine mögliche Verfassungskrise. Der Austritt wäre also auch alles andere als einfach. Allerdings könnte Trump das Bündnis entscheidend schwächen: durch Truppenreduzierung, Verweigerung von Beistandsgarantien oder Kürzung von Finanzmitteln.

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