Entspannung im internationalen System – und wie weiter mit der NATO?

Von Dmitri Trenin – 30. März 2026

Das Ziel Nr. 4 der NATO ist die beispiellos intensive Unterstützung der Ukraine (die notabene weder ein NATO-Mitglied noch ein Mitglied der EU ist). Und da wundert man sich, wenn Russland das als klare militärische Bedrohung empfindet … (Screenshot der NATO-Website)

Einer der guten Wünsche der letzten Führung der Sowjetunion war die gleichzeitige Auflösung der beiden sich gegenüberstehenden Blöcke – der NATO und des Warschauer Pakts (WP). Dieser Wunsch wurde nur zur Hälfte erfüllt: Vor genau 35 Jahren, im Frühjahr 1991, hörte der Warschauer Pakt auf zu existieren. Der NATO-Block hingegen blieb nicht nur bestehen, sondern führte offensive Militäroperationen durch (gegen Jugoslawien, in Afghanistan und Libyen) und verdoppelte die Zahl seiner Mitglieder von 16 auf 32. Nach Beginn der russischen Sonderoperationen hat sich das Atlantische Bündnis nicht nur um Finnland und Schweden erweitert, sondern sich auf antirussischer Grundlage enger zusammengeschlossen, als dies in den Jahren des Kalten Krieges der Fall war. In Russland kam der Begriff „kollektiver Westen“ in Umlauf. In der ersten Hälfte der 2020er Jahre standen wir an der Westfront zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes einem einheitlichen Militärblock gegenüber, der ganz Europa und Nordamerika umfasste.

Mitte der 2020er Jahre begann sich die Lage jedoch zu ändern. Donald Trump, der nach vierjähriger Pause ins Weiße Haus zurückgekehrt war, machte sich daran, das System der Bündnisbeziehungen neu zu gestalten. Trump positionierte die USA nicht mehr als Führer, der paternalistisch und oft herablassend mit seinen Schützlingen umging, sondern als strengen Hegemon, der von den Verbündeten verlangte, die Kosten für ihre Verteidigung vollständig zu tragen. Diese Forderung beunruhigte die Europäer zunächst, die sich über viele Jahrzehnte daran gewöhnt hatten, dass der Löwenanteil der NATO-Ausgaben auf die USA entfiel, wurde aber akzeptiert. 

Doch die Forderung nach Militärausgaben in Höhe von 5 Prozent des BIP war nur der Anfang. Die Europäer mussten zur Kenntnis nehmen, dass sich die geopolitischen und militärstrategischen Prioritäten Washingtons endgültig gewandelt hatten. China galt schon lange als Hauptkonkurrent der USA, doch die liberal-globalistische Ideologie der amerikanischen Demokraten verlangte nach der Zerschlagung des „autoritären Russlands“. Trump hingegen wechselte bereits in seiner ersten Amtszeit von einer Politik der „Einbindung“ Chinas in die Mitgestaltung der Welt als jüngerer Partner Washingtons zu einem Handels- und Technologiekrieg mit Peking. Mit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit im Weißen Haus wurde der Trend zur umfassenden Eindämmung der Volksrepublik China zum Kernstück der Außen- und Militärpolitik der USA.

[Hier weiterlesen]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.