Die Festnahme Maduros durch die USA enthüllt die Realität der Großmachtgeopolitik

Von Andrew Korybko – 5. Januar 2026

Trump 2.0 erklärt kühn, wie die USA gemäß der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie ihre „Einflusssphäre” über Amerika wiederherstellen wollen, und vertritt damit einen hyperrealistischen Ansatz, indem er das Streben nach Macht ausdrücklich als Ziel der US-Politik befürwortet, anstatt es wie zuvor zu leugnen.

Die erstaunlich erfolgreiche „militärische Sonderoperation” der USA in Venezuela, die in dieser Phase nur auf eine Anpassung des Regimes abzielte und nicht, wie manche fälschlicherweise glauben, auf einen Regimewechsel, hat eine Flut von Reaktionen von Regierungen auf der ganzen Welt ausgelöst. Die strategischen Partner Venezuelas, Russland und China, verurteilten erwartungsgemäß die Festnahme von Präsident Nicolas Maduro durch die USA, während der Juniorpartner der USA, die EU, eine Erklärung veröffentlichte, die zwar keine Kritik an den USA enthielt, aber auch deren Vorgehen nicht gutheißen wollte.

Darin liegt die Heuchelei, die gerade durch die „militärische Sonderoperation“ der USA in Venezuela aufgedeckt wurde, da die EU eine hypothetische Gefangennahme von Selenskyj durch Russland mit Sicherheit in schärfster Form verurteilt hätte. Ihre implizite Entschuldigung für diese Doppelmoral gegenüber der Gefangennahme Maduros durch die USA ist, dass er illegitim sei, aber Russland hält nun auch Selenskyj für illegitim [weil seine Amtszeit abgelaufen ist; Anm. der Red.], sodass die Beurteilung der Legitimität anderer Staatschefs durch Dritte letztlich mehr oder weniger subjektiv ist, was zu der gerade aufgedeckten Realität führt.

Letztendlich verfolgen Großmächte wie die USA (die wohl immer noch eine Supermacht sind, auch wenn sie bis zur Rückkehr Trumps ins Amt im Niedergang begriffen waren) immer ihre eigenen Interessen, verbergen diese jedoch hinter der Sprache des Völkerrechts oder internationaler Normen, die für die Weltöffentlichkeit besser verdaulich ist. Die USA stützten sich früher auf das Konzept der „regelbasierten Ordnung“ [die im Gegensatz zum Völkerrecht eine „Ordnung“ ist, die auf den ausschließlich von den USA nach Gusto geschaffenen bzw. proklamierten „Regeln“ basiert; Anm. der Red.], um ihre Aktionen im Ausland zu rechtfertigen, aber die Berufung auf dieses Konzept wurde zuletzt von den russischen Medien als reine Heuchelei entlarvt, weshalb Trump 2.0 es diesmal nicht mehr verwendet hat.

Vielmehr erklärten die Vereinigten Staaten unter Trump 2.0 unverblümt, wie die USA gemäß der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS) ihre „Einflusssphäre“ über Amerika wiederherstellen wollen, und vertritt damit einen hyperrealistischen Ansatz, indem sie das Streben nach Macht ausdrücklich als Ziel befürwortet, anstatt es wie bisher zu leugnen. Wie die NSS es darstellt, soll dieser „Einflussbereich“ die nationalen Sicherheitsinteressen und den Wohlstand der USA sichern, was dem ähnelt, was Russland mit seiner eigenen Sonderoperation in der Ukraine erreichen will. [Wobei die russische „Sonderoperation“ im Gegensatz zum unprovozierten Angriff der USA auf Venezuela zielstrebig und systematisch (von den USA/NATO) provoziert worden war, die damit Russlands staatliche Sicherheit faktisch bedroht hatten; Anm. der Red.].

Ohne die Macht, die sich aus der Wiederherstellung des „Einflussbereichs“ der USA über das, was sie als ihren „Hinterhof“ bezeichnen, oder der Wiederherstellung des Einflussbereichs Russlands über das, was es als sein „nahes Ausland“ bezeichnet, ergibt, wären sie weiterhin einer Vielzahl von Bedrohungen durch ihre Rivalen ausgesetzt, darunter auch wirtschaftlichen, die den Wohlstand ihrer Bevölkerung [vor allem aber den Reichtum ihrer Oligarchie; Anm. der Red.] beeinträchtigen könnten. Dementsprechend versuchen Großmächte auch, ihre Rivalen in deren jeweiligen „Einflusssphären“ zu untergraben, was sie als Mittel betrachten, um sich Einfluss oder zumindest einen Vorteil gegenüber ihnen zu verschaffen.

Das ist die Realität der Großmachtgeopolitik, die bisher mit Rhetorik über „Demokratie“, „Völkerrecht“ und/oder die „regelbasierte Ordnung“ verschleiert wurde, aber die USA unter Trump 2.0 haben diese Rhetorik aufgegeben. Im Idealfall könnten sie sich endlich wie eine „wohlwollende Hegemonialmacht“ verhalten, die zwar weiterhin von den Ländern in ihrem Einflussbereich profitiert (aber nicht mehr so exzessiv wie zuvor). Das würde bedeuten, dass sie auch wirklich für deren Sicherheit [und nicht nur für die Sicherheit der jeweiligen regionalen Eliten; Anm. der Red.] sorgt. Dieses von Russland unter Putin eingeführte Modell [etwa in Tschetschenien oder auch in den von Russland „besetzten“ neuen Gebieten der Ukraine“, Anm. der Red.] scheint auf Dauer der nachhaltigste Weg zu sein, um Stabilität in der Einflussregion einer Großmacht zu gewährleisten.

Die Geschichte der „bösartigen Hegemonie“ der USA führte zu den antihegemonialen Bewegungen, die in Amerika entstanden sind, sodass eine Wiederholung derselben Politik unweigerlich zum gleichen Ergebnis führen und damit den Interessen der USA als Großmacht langfristig schaden würde. Es ist allerdings noch zu früh, um vorherzusagen, ob Trump 2.0 sich an Putins Modell der „wohlwollenden Hegemonie“ orientieren wird. Unabhängig davon, wie man zu Venezuela und zu seinem Staatspräsidenten Maduro steht, ist es jedoch bemerkenswert, dass die USA unter Trump 2.0 gerade die Realität der Großmachtgeopolitik offenbart und die Farce von deren Bemäntelung mit humanitären Phrasen und demokratischer Rhetorik aufgegeben haben.

Veröffentlichung und Abweichungen vom englischen Originaltext mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

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