Angolas Annäherung an den Westen in den letzten Jahren ist eine schlechte Nachricht für China

Von Andrew Korybko – 5. April 2026

Der wachsende Einfluss der USA auf Angola durch den Lobito-Korridor sowie engere Beziehungen in den Bereichen Energie und Militär könnten dazu führen, dass „Trump 2.0“ Einfluss auf einen der wichtigsten afrikanischen Partner Chinas gewinnt, der dann als Druckmittel eingesetzt werden könnte, um strategische Zugeständnisse von China zu erzwingen.

Die BBC veröffentlichte Ende März einen ausführlichen Bericht über eine angebliche russische Operation zur Auslösung regierungsfeindlicher Proteste in Angola, der die Aufmerksamkeit auf den Prozess gegen zwei Russen lenkte, die im vergangenen Jahr wegen Verstößen gegen die nationale Sicherheit wie Terrorismus, Spionage und Einflussnahme verhaftet worden waren. Ihnen wird zudem vorgeworfen, unter dem Deckmantel der Einrichtung eines russischen Kulturzentrums regierungsfeindliche Artikel in Auftrag gegeben und sich im Vorfeld der Wahlen im nächsten Jahr mit potenziellen Präsidentschaftskandidaten getroffen zu haben.

Die Russen und ihre beiden angolanischen Mitverschwörer bestreiten diese Vorwürfe, und der BBC ist anzurechnen, dass sie schrieb, manche glaubten, die Regierung benutze sie als Sündenböcke, um von dem abzulenken, was Aktivisten als die tatsächlich spontanen Proteste vom vergangenen Juli bezeichnen, die die tödlichsten seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2002 waren. Was auch immer die Wahrheit sein mag, dieser Skandal unterstreicht Angolas Drift nach Westen, die einige Jahre nach dem Amtsantritt von Präsident João Lourenço in der Nachfolge des langjährigen Präsidenten José Eduardo dos Santos im Jahr 2017 begann.

Lourenço leitete sofort eine Kampagne gegen Korruption ein, in die unter anderem dos Santos’ mächtige Tochter Isabel verwickelt war und die von einigen als Grundlage für die Säuberung der Machtbasis seines Vorgängers im Vorfeld einer außenpolitischen Wende angesehen wurde. Erst im Dezember 2022 begann Lourenço jedoch mit seiner Annäherung an den Westen, wobei er wahrscheinlich so lange damit wartete, bis er seine Macht gefestigt hatte und somit sicher sein konnte, dass ein Putsch gegen ihn keinen Erfolg haben würde. Anschließend stellte er seine Pläne in einem Fernsehinterview mit Voice of America vor.

Mit seinen Worten: „Wir, die Regierung Angolas, möchten die USA einladen, an unserem Programm zur militärischen Ausrüstung teilzunehmen. Wie Sie wissen, verfügen die angolanischen Streitkräfte bis heute über die sogenannte sowjetische Technik.“ Weniger als ein Jahr später, im Herbst 2023, unterzeichneten Angola und die USA eine Absichtserklärung zum „Lobito-Korridor“, bei dem es sich im Wesentlichen um ein Eisenbahnmodernisierungsprojekt handelt, um einen größeren Teil der Mineralienexporte (insbesondere Kupfer) der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und Sambias von China in den Westen umzuleiten.

Etwas mehr als ein Jahr später, also zwei Jahre nach Lourencos pro-amerikanischer Militärerklärung, wurde Biden der erste Präsident, der Angola besuchte. Trump 2.0 übernahm dann den Staffelstab, indem er im Sommer 2025 die Zusammenarbeit im Energiebereich ausbaute, wohl mit dem Ziel, den Einfluss US-amerikanischer Unternehmen auf einen der größten Öllieferanten Chinas zu vertiefen, um politischen Druck auszuüben, genau wie es in Venezuela geschehen ist und im Iran erreicht werden soll. Auch die militärischen Beziehungen wurden in jenem Sommer im Kampf gegen den IS und die Kartelle gestärkt.

Die Beziehungen zu China bleiben eng, und chinesische Investitionen spielen nach wie vor eine wichtige Rolle für Angolas wirtschaftliche Entwicklung, ganz zu schweigen von der Energieentwicklung, wie Angolas Interesse an einem fast fünf Milliarden Dollar schweren chinesischen Kredit zum Bau einer neuen Raffinerie belegt. Dennoch droht Angolas Westdrift, seinen Balanceakt zwischen China und den USA zu stören, und es ist möglich, dass China nach Russland das nächste geopolitische Opfer werden könnte. Mehr US-Einfluss könnte zu mehr indirektem Druck der USA auf China führen, um Zugeständnisse von diesem zu erzwingen.

Die Tatsache, dass Angola bereits dazu bereit ist, einen Teil der Mineralienexporte (insbesondere Kupfer) aus der Demokratischen Republik Kongo und Sambia über den Lobito-Korridor von China in den Westen umzuleiten, offenbart Lourencos Absichten. Es sieht daher so aus, als würde er China hinhalten, um so lange wie möglich maximale Vorteile daraus zu ziehen, bevor er seine Westorientierung entschlossen in eine vollständige Neuausrichtung umwandelt. Es ist unklar, was China tun kann, um dieses Szenario abzuwenden, aber sollte es Realität werde, wäre dies ein weiterer Erfolg im globalen Machtkampf der USA.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

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