Gazas verlorene Generation

Von Ruwaida Amer – 7. November 2026

UN-Experten werfen Israel vor, die Bildungsinfrastruktur in Gaza gezielt zerstört zu haben. Für 700.000 Kinder sind Klassenräume in Zelten jetzt das, was einer Schule am nächsten kommt. Doch sie können die Bildung, den Schulalltag und das Gemeinschaftsgefühl, das sie einst hatten, nicht wiederherstellen.

Drei Jahre sind vergangen, seit ich das letzte Mal in meinem Klassenzimmer stand, um meine Schüler zu unterrichten. Drei Jahre, ohne in der Morgendämmerung aufzuwachen, um mich auf den Tag vorzubereiten, mich zu fragen, was ich anziehen sollte, damit ich für sie am besten aussehe. Drei Jahre ohne die gewohnte Fahrt nach Norden von meinem Zuhause in Al-Fukhari nach Gaza-Stadt, auf der ich aus dem Taxifenster die Schulkinder betrachtete, die auf dem Weg zum Unterricht waren.

Es ist drei Jahre her, seit ich die Scharen von Kindern gesehen habe, die sich vor der Schule versammelten und mit ihren Freunden redeten und lachten – auf eine Art, die mein Herz mit Freude erfüllte. Die Kriegsjahre haben mir dieses Morgenritual genommen: die Kinder, die mich am Schultor begrüßten, und ihre Umarmungen, die mir so viel Energie gaben. Und ihre Stimmen, die mich willkommen hießen, wenn ich das Klassenzimmer betrat, bevor wir über ihre Hausaufgaben und unseren Unterricht für diesen Tag sprechen würden.

Ich begann 2019 an der Rosary Sisters School[1] zu arbeiten, einer privaten katholischen Schule im Stadtteil Tel El-Hawa, nach vielen Versuchen, eine feste Stelle als Lehrerin zu finden. Ich hatte das Gefühl, dass ein Traum wahr geworden war, diesen Beruf endlich jeden Tag ausüben zu können. Das Unterrichten hat mich niemals gelangweilt und ich habe keinen einzigen Arbeitstag versäumt; mit meinen Schülern zusammen zu sein, gab mir so viel Kraft und Rückhalt.

Seit drei Jahren habe ich Jawaher, die Hauswartin der Schule, nicht mehr gesehen. Ich vermisse ihre Stimme, die mich morgens begrüßte, mich fragte, ob ich etwas brauchte, und uns die Tür zum Labor aufschloss. Wir saßen oft zusammen und sprachen über unsere beiden Leben: Sie erzählte mir von ihren Schwierigkeiten und den Kämpfen, die sie bei der Erziehung ihrer Kinder durchstehen musste, und wie sie davon träumte, die Hochzeit ihres Sohnes Walid zu erleben.

Seit drei Jahren habe ich die Stimme meiner Kollegin Wasima, der Schulsekretärin, nicht mehr gehört; sie hallte durch die Flure, wenn sie uns zusätzliche Unterrichtsstunden zuwies. Ich bewahrte die Zettel auf, mit denen sie unsere Mehrarbeit festhielt, nur um sie ihr am Ende des Jahres zeigen zu können und zu beweisen, was für eine gewissenhafte Lehrerin ich war, die immer einsprang, wenn meine Kollegen nicht da waren.

Drei Jahre lang hatte ich mich verzweifelt an die Hoffnung geklammert, dass wir den Krieg überleben und zur Schule zurückkehren würden. Doch leider hat Israel sie zerstört. Wie so vieles andere wurde das, was von ihr übrig blieb, zu einer Notunterkunft für Vertriebene, während ihre Bücher zu Brennstoff zum Heizen und Kochen wurden.

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