Von Marcus Klöckner – 6. November 2026
Bis zum Ende des Jahres wird die Bundeswehr wahrscheinlich 5.900 „Veranstaltungen“ an Schulen abgehalten haben – mit geschätzten 206.000 „Teilnehmern“, sprich überwiegend Schülern.
In Anbetracht der Tatsache, dass das Ziel der Politik „Kriegstüchtigkeit“ ist, sind diese Zahlen erschütternd. Sie sind ein Offenbarungseid von weiten Teilen der Schulen im Land. Nach allem, was Lehrer über die Entstehungszusammenhänge und über das Grauen der Kriege wissen müssen, sind diese Zahlen untragbar. Wenn Schulen ihre Türen für die Bundeswehr öffnen, während die Regierung die gesamte Republik kriegstüchtig machen will, dann machen sie sich zu Komplizen dieser Politik.
„Wir waren 18 Jahre und begannen die Welt und das Dasein zu lieben; wir mussten darauf schießen. Die erste Granate, die einschlug, traf unser Herz.“ Dieses berühmte Zitat aus Erich Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ kann in dieser Zeit gar nicht oft genug angeführt werden.
Im Westen nichts Neues – dieses Buch ist auch eine schonungslose Anklage gegen die Schulen und Lehrer, die damals während des 1. Weltkriegs in Verantwortungslosigkeit, Verblendung und Naivität vor ihren Schülern in den Klassensälen standen.
Wie ist es heute um die Verantwortung der Lehrerschaft bestellt? Wie sieht es heute mit der Verblendung und Naivität von Schulleitern und Lehrern aus?
Wer von ihnen folgt dem Feindbildaufbau, der seit Jahren in den Medien stattfindet? Wer glaubt an die Bedrohung durch das „böse Russland“, das Deutschland oder die NATO angreifen will? Wer hat das Offensichtliche noch immer nicht verstanden, nämlich dass in der Ukraine ein Stellvertreterkrieg am Laufen ist? Wer hat noch nie etwas von Tiefenpolitik gehört? Wer begreift nicht, dass die Ursachen für den Krieg in der Ukraine mit geopolitischen Interessen von allen Beteiligten zusammenhängen? Wer glaubt, dass die Besuche von Bundeswehrsoldaten angebracht sind, weil sich doch junge Menschen auch für die „Truppe“ begeistern lernen sollten?
Die Besuche der Bundeswehrsoldaten an Schulen zeigen ein erschreckendes Bild. Sie lassen erahnen, wie es um die Fähigkeit von weiten Teilen der Lehrerschaft bestellt ist, sich der laufenden Propaganda zu widersetzen. Ferner lassen sie erahnen, wie es mit dem Rückgrat von vielen Schulen im Land aussieht.
Um es nochmal zu sagen: Die Politik hat das Ziel „Kriegstüchtigkeit“ vorgeben.
Die Schulleitungen müssten unter diesen Bedingungen die Türen vor Soldaten der Bundeswehr verrammeln – und ihnen nicht den roten Teppich ausrollen.
Die gesamte Lehrerschaft müsste Zivilcourage zeigen und öffentlich laut und deutlich „Nein!“ zur Kriegstüchtigkeit sagen.
Stattdessen mutieren Schulen zu Komplizen einer Politik, die immer gefährlicher wird.
In einer Mischung aus ideologischer Verbundenheit und Angst vor Repressionen sind zu viele Schulen im Land auf dem politisch „richtigen“, also dem falschen Kurs!
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