Von Jochen Mitschka – 29. Oktober 2026
Die Huthis, Saudi-Arabien und der Kampf um eine neue Sicherheitsordnung haben mehr Einfluss auf Deutschland, als es vielen bewusst ist.
Die Region um den Persischen Golf bis zum Roten Meer hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Regionen für die deutsche import- und exportabhängige Wirtschaft entwickelt. Daher ist die Entwicklung dort für die Menschen wichtiger, als die meisten Europäer wissen. Energie, Düngemittel, Chemierohstoffe, auch Finanzen sind wichtige Faktoren. Schauen wir uns an, was sich dort zusammenbraut. Die militärische Eskalation im Jemen, die Verwundbarkeit der saudischen Infrastruktur, neue Verteidigungsbündnisse und der Streit um die künftige Sicherheitsordnung am Persischen Golf greifen zunehmend ineinander. Gleichzeitig versuchen Pakistan, Oman und Russland, eigene diplomatische Rollen zu behaupten. Die zentrale Frage lautet: Kann Saudi-Arabien seine bisherige Strategie gegenüber dem Jemen noch durchsetzen, oder entsteht eine regionale Ordnung, in der die jemenitische Hauptstadt Sanaa dauerhaft als eigenständiger Machtfaktor anerkannt werden muss?
John Sawers: Ansar Allah wird sich militärisch kaum beseitigen lassen
Eine bemerkenswerte Einschätzung aus dem britischen Geheimdienstmilieu: Der frühere MI6-Chef Sir John Sawers erklärte beim Doha Global Security Forum, dass Ansar Allah, die Huthi-Miliz, nicht besiegt werden werde und auf absehbare Zeit einen großen Teil des Jemen kontrollieren dürfte. Er verwies auf die begrenzten Möglichkeiten Saudi-Arabiens und darauf, dass die Versuche, eine konkurrierende Regierung dauerhaft zu etablieren, in den vergangenen zehn Jahren nicht erfolgreich gewesen seien.
Taiz: Der militärische Druck auf eine strategische Stadt wächst
Die Lage um Taiz gehört zu den gefährlichsten Entwicklungen im Jemen. Die Stadt liegt an wichtigen Verkehrsverbindungen zwischen dem Hochland, Aden und der Küstenregion am Roten Meer. Wer die Zufahrtswege kontrolliert, kann die Versorgung der Bevölkerung und die militärischen Bewegungen in der Region erheblich beeinflussen.
Der Sondergesandte der Vereinten Nationen (UN) Hans Grundberg warnte am 9. Oktober 2026 vor einer Rückkehr zum umfassenden Krieg — was bei inzwischen fast 1.000 Luftangriffen Saudi Arabiens und angeblich auch Angriffen Israels gegen den Jemen etwas seltsam klingt. Seit September hätten sich die Kämpfe unter anderem in den Gebieten um Taiz, al-Mocha und an der Küste am Bab al-Mandab „verschärft“.
Am 20. Oktober beschrieb der UN-Humanitärkoordinator die Situation in Taiz als rasch eskalierende humanitäre Krise. Straßensperrungen und Unsicherheit behinderten die Versorgung mit Treibstoff und anderen lebenswichtigen Gütern.
Die Lebensmittel- und Treibstoffpreise hätten sich mehr als verdoppelt; die Wasserproduktion in der Stadt sei auf die Hälfte zurückgegangen. Die Vereinten Nationen forderten sichere Zugänge für Lebensmittel, Medikamente und humanitäre Hilfe. Das hatten sie auch getan, als Saudi-Arabien die schlimmste Hungerblockade gegen das Land errichtet hatte, ohne aber wirklich ernsthaft diplomatisch tätig zu werden.
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