Von Andrew Korybko – 28. Oktober 2026

Es ist unwahrscheinlich, dass Russland im Rahmen eines von den USA vermittelten umfassenden Abkommens mit der europäischen NATO militärstrategischen Kompromissen zustimmen wird – trotz der wirtschaftlichen Chancen, die sich dadurch eröffnen könnten –, es sei denn, die europäische NATO kommt diesem Schritt entgegen.
The Telegraph veröffentlichte Ende Oktober einen Artikel, in dem unter Berufung auf ungenannte diplomatische Quellen berichtet wurde, dass „Russland hofft, die NATO durch Friedensgespräche mit der Ukraine zu schwächen“. Man geht davon aus, dass „Putin wahrscheinlich fordern wird, die Präsenz der NATO in Europa müsse auf das Niveau von 1997 reduziert werden, bevor ehemalige Ostblockstaaten dem Bündnis beigetreten sind“, entsprechend seinen Forderungen nach Sicherheitsgarantien von Ende 2021. Diese Prognose basiert auf der Ankündigung von Putins oberstem Beraters Juri Uschakow, dass Russland wünsch nun eine Beteiligung Europas am Friedensprozess.
Laut The Telegraph „würde dies einen möglichen Abzug von NATO-Truppen aus Polen, Estland, Lettland und Litauen sowie aus Finnland bedeuten, das dem Bündnis 2023 beigetreten ist.“ Technisch gesehen ist das nicht ganz richtig, da Russland eine Rückkehr zum militärisch-strategischen Status quo auf dem Kontinent ab dem Zeitpunkt der Unterzeichnung der NATO-Russland-Grundakte im Jahr 1997 gefordert hat. In der Praxis würde dies den Abzug der Truppen der vor 1997 beigetretenen NATO-Mitglieder aus den Hoheitsgebieten der neuen Mitglieder bedeuten.
Unterdessen könnten die Streitkräfte der nach 1997 beigetretenen NATO-Mitglieder hypothetisch weiterhin in den Hoheitsgebieten der anderen stationiert werden, was angesichts der Tatsache von Bedeutung ist, dass Polen nun über die größte Armee der europäischen NATO (E-NATO) verfügt und sich der de facto von Schweden geführte Wikinger-Block parallel dazu rasch militarisiert. Schwedens Entsendung von Luft- und Seestreitkräften zur Unterstützung der Überwachung der finnischen Grenze zu Russland sowie die Entsendung von Luft– und Luftabwehr-Einheiten nach Polen zeugen von der Stärke ihrer militärstrategischen Partnerschaft im Ostseeraum.
Wie hier eingeschätzt wurde, könnte dies sogar die Grundlage für ihre gemeinsame militärische Vorherrschaft über die östliche Ostsee als Kern der NATO 3.0 bilden. Das bedeutet, dass die Europäer die „Eindämmung“ Russlands durch die NATO anführen, während sich die USA „(zurück) nach (Ost-)Asien orientieren“, um China stärker in Schach zu halten [bzw. militärisch zu bedrohen; die Red.]. Dem Intermarium, die Staaten zwischen Deutschland und Russland, dürfte dabei die herausragendste Rolle zukommen. Polen und Schweden sind dessen Schwergewichte, daher liegt es nahe, dass sie gemeinsam die Eindämmung Russlands anführen würden.
Großbritannien, Frankreich und Deutschland – von denen die ersten beiden Atommächte sind, während das letzte de facto die Führung in der EU innehat – haben seitdem verschiedene Streitkräfte in die Gebiete der nach 1997 beigetretenen Mitglieder entsandt. Im Rahmen eines von den USA vermittelten umfassenden Abkommens zwischen der E-NATO und Russland über die europäische Sicherheitsarchitektur der Nachkriegszeit könnten sie jedoch möglicherweise ihre Streitkräfte abziehen, um Kompromisse seitens Russlands zu erleichtern, ohne ihre Verbündeten zu gefährden. Diese regionalen Verbündeten, angeführt von Polen und Schweden, sind mittlerweile stark genug, um sich selbst zu behaupten.
Als Gegenleistung für die Einhaltung des Geistes der russischen Forderung, dass die vor 1997 beigetretenen NATO-Mitglieder ihre Truppen aus den Hoheitsgebieten der nach 1997 beigetretenen Mitglieder abziehen, könnten diese neuen Mitglieder und Russland ein von den USA vermitteltes Deeskalationsabkommen schließen, um ihre Truppen von der Grenze zurückzuziehen. Symmetrische Schritte Polens und der baltischen Staaten auf der einen Seite sowie Russlands und Weißrusslands auf der anderen Seite könnten die Grundlage für die europäische Sicherheitsarchitektur der Nachkriegszeit bilden und – sofern der Wille dazu besteht – zu neuen Gesprächen über Rüstungskontrolle führen.
Es ist unwahrscheinlich, dass Russland im Rahmen eines von den USA vermittelten umfassenden Abkommens mit der E-NATO militärstrategischen Kompromissen zustimmen wird, trotz der wirtschaftlichen Chancen, die sich dadurch eröffnen könnten – es sei denn, die E-NATO kommt diesem Schritt entgegen. Der realistischste Weg, wie dies geschehen könnte, wäre der Abzug der Streitkräfte der vor 1997 beigetretenen Mitglieder aus den Hoheitsgebieten der nach 1997 beigetretenen Mitglieder. Frankreich sollte zudem sein Angebot zurückziehen, seinen nuklearen Schutzschirm über diese Länder auszudehnen. Eine dauerhafte Stabilität nach dem Krieg wäre dann eine realistische Perspektive.
Was daher im Szenario einer gemeinsamen schwedisch-polnischen militärischen Schutzmacht für Finnland und die baltischen Staaten, die den Kern der NATO 3.0 bilden könnten, erforderlich ist, sind Kanäle zur Krisenbewältigung zwischen ihnen (zumindest Schweden und Polen), dem amerikanischen NATO-Vorsitzenden und Russland. Dies könnte im Idealfall die Grundlage für neue Deeskalationsvereinbarungen bilden – auch wenn es sich dabei nicht um Rüstungskontrollabkommen wie jene vor 2022 handelt –, die das Risiko eines Krieges aufgrund von Fehleinschätzungen insgesamt verringern würden. Trump täte gut daran, diesen Vorschlag ins Spiel zu bringen.
Die Alternative ist düster. Die Militarisierung der E-NATO gegen Russland mit dem Ziel, das direkte Interesse der Staaten der Region an der gegenseitigen „Sicherheit“ zu verstärken führt folgerichtig dazu, dass jeder Zwischenfall mit Russland eine gemeinsame Reaktion auslösen würde, was den Kreml – wie man dort vielleicht glaubt – „abschrecken“ würde. Das Risiko besteht jedoch darin, dass sich ein kleiner Zwischenfall zu einer potenziell unkontrollierbaren Krise ausweiten könnte, und das Wissen darüber könnte Dritte wie die Ukraine dazu verleiten, zu diesem Zweck Provokationen unter falscher Flagge durchzuführen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.