Atomwaffenkontinent Europa

Von German-Foreign-Policy.com – 15. Oktober 2026

Die Bundeswehr nimmt dieses Jahr an zwei Atomkriegsmanövern teil: an einer NATO- und an einer französischen Übung. Erneut werden Spekulationen über eine „deutsche“ oder eine neue „europäische“ Bombe laut.

Die Bundeswehr beteiligt sich aktuell am alljährlichen Atomkriegsmanöver der NATO und nimmt in diesem Jahr zudem an einer Kernwaffenübung der französischen Nuklearstreitkräfte teil. Zum NATO-Manöver Steadfast Noon, das am Dienstag begonnen hat, hat die Bundeswehr drei Tornado-Kampfjets nach Italien entsandt. Dort trainieren Soldaten aus 17 NATO-Staaten unter anderem Einsatzflüge, die mit dem Abwurf von Atombomben enden. Während bisher fünf europäische Staaten in die sogenannte nukleare Teilhabe eingebunden sind, schaffen mittlerweile weitere Länder – Finnland und Litauen – die gesetzlichen Voraussetzungen, um Atomwaffen auf ihrem Territorium zu stationieren. Parallel treibt Frankreich die Einbindung weiterer Staaten in sein neues Konzept der „vorverlegten Abschreckung“ („dissuasion avancée“) voran. In diesem Zusammenhang beteiligt sich die Bundeswehr in diesem Jahr erstmals an der französischen Atomkriegsübung Operation Poker, die zuletzt Ende September stattfand. Ein einflussreicher deutscher Außenpolitikexperte spekuliert parallel über eine deutsche Bombe und berichtet von Überlegungen, gemeinsam etwa mit den Staaten Skandinaviens eine „europäische“ Nuklearwaffe zu entwickeln.

Steadfast Noon

Die NATO hat am Dienstag ihr alljährliches Atomkriegsmanöver Steadfast Noon begonnen. Es findet dieses Mal in Italien statt. Schwerpunkte sind die Luftwaffenstützpunkte Aviano bei Udine und Ghedi bei Brescia, wo jeweils US-Atombomben gelagert sind. Details wurden in diesem Jahr kaum bekanntgegeben. Üblicherweise wird bei Steadfast Noon geübt, die US-Bomben, die im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe von europäischen Luftwaffen zum Einsatzort geflogen werden, aus ihren Bunkern zu holen, sie an europäischen Kampfjets zu befestigen und, daran anschließend, Einsatzflüge sowie deren militärische Begleitung zu simulieren. Beteiligt sind dieses Jahr die Streitkräfte von 17 NATO-Staaten. Die Bundeswehr ist mit drei Tornado-Kampfjets des taktischen Luftwaffengeschwaders 33 aus Büchel in der Eifel involviert, das für die deutsche nukleare Teilhabe zuständig ist. Beteiligt sind auch die Türkei und Rumänien, das drei F-16-Kampfjets entsendet.[1] Schweden wiederum stellt eine nicht genannte Anzahl an Gripen-Kampfjets bereit, während Finnland Stabsoffiziere zu der Übung entsendet.[2] Das Manöver soll rund zehn Tage dauern und einen Umfang haben wie im vergangenen Jahr. Damals nahmen gut 2.000 Soldaten mit rund 70 Flugzeugen teil.

Öffnung für Massenvernichtungswaffen

Das Atomkriegsmanöver der NATO findet statt, während das Militärbündnis gleichzeitig die Stationierung von Kernwaffen in weiteren Staaten Europas diskutiert; dabei geht es vor allem um die Option, US-Atombomben ebenfalls im Rahmen der nuklearen Teilhabe einzulagern. In Finnland hat das Parlament am 17. Juni beschlossen, ein aus dem Jahr 1980 stammendes Verbot aufzuheben, Kernwaffen zu beherbergen oder sie auch nur über finnisches Territorium zu transportieren.[3] Damit ist eine zentrale Vorbedingung für eine etwaige Stationierung von Atombomben erfüllt. In Litauen hat das Parlament vergangene Woche dafür gestimmt, eine Norm in der Verfassung des Landes aufzuheben, die es untersagt, Massenvernichtungswaffen auf litauischem Territorium zu lagern.[4] Um die Verfassungsänderung abzuschließen, ist allerdings noch eine zweite Abstimmung im Parlament erforderlich. In Polen wiederum wird die etwaige Stationierung von US-Atombomben lebhaft diskutiert. Während die Regierung unter Ministerpräsident Donald Tusk sich offen dagegen positioniert, wie der stellvertretende Verteidigungsminister Paweł Zalewski Ende August bekräftigte, geben sich Präsident Karol Nawrocki und die Partei PiS (Prawo i Sprawiedliwość) von Jarosław Kaczyński dafür grundsätzlich offen.[5]

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