Von German-Foreign-Policy.com – 5. Oktober 2026

Die Bundesregierung gibt einen Teil der deutschen Diesel-Notfallreserven frei, um den Dieselpreis zu senken – auf Druck der Trump-Administration und auf Kosten der deutschen Energiesicherheit.
Die Bundesregierung gibt ohne Not einen Teil der deutschen Diesel-Notfallreserven frei und unterstützt damit den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump. Trump steht unter Druck, weil kurz vor den US-Zwischenwahlen bedeutende Teile seiner Wählerbasis wegzubrechen drohen, darunter etwa Landwirte, die der auf Rekordhöhe gestiegene Dieselpreis in den Ruin zu treiben droht. Hauptursache für den Rekord-Dieselpreis ist der Irankrieg: Im vergangenen Jahr kamen 19 Prozent sämtlicher Dieselexporte weltweit aus dem Mittleren Osten; jetzt fehlt kriegsbedingt ein Großteil davon. Die auch in Deutschland mit Schadenfreude beobachteten Drohnenangriffe der Ukraine auf russische Raffinerien schädigen die russische Dieselproduktion und haben Moskau, den zweitgrößten Dieselexporteur überhaupt, zu einem Ausfuhrstopp veranlasst. Trump hat in der vergangenen Woche mit der Drohung, kein Diesel mehr nach Europa zu liefern, Europas G7-Staaten zur Freigabe eines Teils ihrer Notfallreserven genötigt – auch Deutschland. Die Abhängigkeit der Bundesrepublik und Europas von den USA ist auch bei Erdöl hoch; bei Flüssiggas ist sie mittlerweile auf rund 60 Prozent gestiegen.
Dieselmangel auf dem Weltmarkt
Der aktuelle Mangel an Diesel auf dem Weltmarkt geht vor allem auf den Irankrieg und auf den durch ihn bedingten Ausfall von Lieferungen aus dem Mittleren Osten zurück. Zum einen fehlt weiterhin Rohöl, das in anderen Ländern zu Diesel verarbeitet wird, auch wenn in den vergangenen Tagen laut Berichten der Ölexport durch die Straße von Hormuz erstmals wieder signifikant gesteigert werden konnte. Zum anderen sind Raffinerien in den Staaten am Persischen Golf selbst durch iranische Gegenangriffe sowie durch Attacken der jemenitischen Huthi beschädigt worden. Dies wiegt umso schwerer, als die arabischen Staaten zuletzt ihre Raffineriekapazitäten signifikant aufgestockt und ihre Dieselexporte zwischen 2017 und 2025 verdoppelt haben; zuletzt lagen sie bei 19 Prozent sämtlicher Dieselexporte weltweit.[1] Wie gravierend die Schäden an den mittelöstlichen Raffinerien sind und wie lange es dauern wird, um sie zu beheben, ist unklar. Hinzu kommt, dass auch andernorts die Exporte zurückgehen. Indien etwa hat zwar zugesagt, die Dieselausfuhr nicht einzuschränken; doch hat ein Brand in einer indischen Raffinerie am vergangenen Dienstag die Exportkapazitäten geschädigt.[2] Es kommt hinzu, dass China den Export von Diesel soeben stark reduziert hat und bloß noch eng mit ihm kooperierende Länder wie Kambodscha beliefert. Der Grund: Die eigenen Reserven sollen wieder aufgefüllt werden.
Exportstopp in Russland
Darüber hinaus fallen aktuell Diesellieferungen aus Russland aus. Ursache sind ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien, die diesen in den vergangenen Monaten deutliche Schäden zugefügt haben. In der westlichen Öffentlichkeit – auch in der deutschen – wurde dies gewöhnlich mit spürbarer Schadenfreude registriert. Allerdings war Russland bisher der zweitgrößte Dieselexporteur weltweit; es lieferte ungefähr zehn Prozent des auf dem Seeweg gehandelten Diesels insgesamt. Die durch die ukrainischen Angriffe verursachten Schäden reduzierten die Produktion der getroffenen Raffinerien erheblich und unterbrachen zeitweise die Versorgung im Inland, weshalb Moskau am 8. Juli schließlich die Ausfuhr von Diesel stoppte.[3] Das Exportverbot wurde mehrmals verlängert, zuletzt am vergangenen Mittwoch; es dauert nun mindestens bis zum 31. Oktober an. Auch eine weitere Verlängerung gilt als denkbar, da die Ukraine ihre Angriffe auf russische Raffinerien fortsetzt; in der vergangenen Woche wurden erneut mehrere Anlagen erheblich beschädigt. Ein Ende ist nicht in Sicht.