Von German-Foreign-Policy.com – 23. September 2026
Die fortdauernde Aggression der USA gegenüber Iran und das fortdauernde Befeuern des Ukrainekriegs durch Deutschland drohen Dutzende Millionen Menschen wegen ausbleibender Nahrungslieferungen in den Hunger zu treiben.
Die fortdauernde Aggression der USA gegen Iran, das Befeuern des Ukrainekriegs durch Deutschland und die EU sowie die daraus resultierenden Handelsblockaden treiben den Globalen Süden immer stärker in eine Nahrungsmittelkrise. Bereits im März hatte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen gewarnt, allein der Irankrieg könne rund 45 Millionen Menschen weltweit in eine Hungersnot stürzen – zusätzlich zu den bereits hungernden 318 Millionen. Wirkt sich die Sperrung der Straße von Hormuz bereits gravierend aus, so kommt nun noch hinzu, dass ukrainisches und russisches Getreide kaum noch über das Schwarze Meer exportiert werden können; es geht um rund ein Viertel der Getreideexporte weltweit. Für den Globalen Süden wirkt sich fatal aus, dass das ungleiche Welthandelssystem ihn von Dünge- und von Grundnahrungsmitteln aus den Ländern des Nordens abhängig gemacht hat. Zugleich dominiert in den USA wie auch in Deutschland und der EU das offene Interesse, jeweils die eigene Dominanz in Nah- und Mittelost (Irankrieg) respektive in Osteuropa (Ukrainekrieg) durchzusetzen. Washington und Berlin nehmen dabei anwachsenden Hunger im Globalen Süden in Kauf.
Neue Hungerrekorde
Bereits wenige Wochen nach Beginn des US-amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran hatte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Programme, WFP) gewarnt, der Krieg und die daraus resultierenden Handelsausfälle könnten fast 45 Millionen Menschen in eine akute Nahrungsmittelkrise treiben.[1] Sie kämen zu der erschreckenden Zahl von rund 318 Millionen Menschen hinzu, die schon jetzt unter akutem Hunger leiden. Damit läge die Gesamtzahl sogar noch oberhalb des Negativrekordes aus der Zeit bald nach Beginn des Ukrainekriegs, als weltweit 349 Millionen Menschen von akutem Hunger betroffen waren. Die Prognose des WFP basierte auf der Annahme, der Krieg werde bis Mitte des Jahres nicht beendet sein, und die Ölpreise würden dauerhaft über 100 US-Dollar pro Barrel liegen. Beides ist nun eingetreten; der Preis für Rohöl der Sorte Brent lag am gestrigen Dienstag bei rund 101 Dollar pro Barrel. Gleichzeitig ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz weiterhin stark eingeschränkt. Insidern zufolge passierten etwa am vergangenen Mittwoch lediglich drei Frachtschiffe die Meerenge [2] – deutlich weniger als der aktuelle Zehntagesdurchschnitt von etwa 17 Schiffen oder gar der Vorkriegsdurchschnitt, der mit mehr als 100 Schiffen pro Tag angegeben wird [3]. Aktuell droht zudem eine partielle Sperrung der Meerenge Bab al Mandab, die bei Djibouti aus dem Roten Meer in den Indischen Ozean führt und punktuell als Ersatzroute für Exporte vor allem aus Saudi-Arabien genutzt werden kann.
Von Brennstoffen abhängig
Die Hungerkrise ist größtenteils auf die Abhängigkeit der globalen Lebensmittelherstellung von der fossilen Brennstoffindustrie zurückzuführen. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fand weltweit ein Wandel statt: Anstelle von organischen Düngemitteln wie Mist und Kompost wurden zunehmend auf fossilen Brennstoffen basierende Düngemittel wie Ammoniak und Schwefel eingesetzt, um die Bodennährstoffe zu erhalten und die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern. Heute stammen rund 30 Prozent des weltweit genutzten Ammoniaks aus den Erdöl- und Erdgasregionen des Mittleren Ostens; Saudi-Arabien ist sogar der zweitgrößte Ammoniakexporteur weltweit.[4] Ebenso wird etwa die Hälfte des weltweit auf dem Seeweg transportierten Schwefels, der die Grundlage für Phosphatdünger bildet, durch die Straße von Hormuz befördert. Dies gilt auch für rund 18 Prozent des Monoammoniumphosphats (MAP) und des Diammoniumphosphats (DAP) – zwei weiterer wichtiger Düngemittel, die zur Versorgung von Nutzpflanzen mit Phosphor eingesetzt werden. Daten der Weltbank zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Kraftstoffpreise und dem Anstieg der Düngemittel- und der Lebensmittelpreise. Bereits im März dieses Jahres stieg der Weltbank-Energiepreisindex um 41 Prozent, angeführt von einem Anstieg des Rohölpreises um 45,8 Prozent. Im selben Monat nahmen die Düngemittelpreise um 26,2 Prozent zu; auch die Lebensmittelpreise, auf die die Düngemittelpreise gewöhnlich erst mit Verzögerung durchschlagen, erhöhten sich bereits um 2,7 Prozent.