Eingebildete Bilder

Von Nicolas Riedel – 17. September 2026

Der Mission-Impossible-Film „Dead Reckoning“ von 2023 bereitete die Zuschauer auf ein Szenario vor, in welchem das Menschheitswissen durch KI vernichtet und umgedichtet wird, um so Vergangenheit und Zukunft zu kontrollieren.

Mit Bewegtbildern zeigt uns Regisseur Christopher McQuarrie, dass wir den Bildern nicht mehr vertrauen können. „Dead Reckoning“ ist der siebte Teil der Mission-Impossible-Filmreihe und zugleich der erste von zwei Teilen des fulminanten Finales. Als den menschlichen Schurken übergeordneter, non-personeller Antagonist steht dem von Tom Cruise verkörperten Agenten eine übermächtige künstliche Intelligenz (KI) gegenüber, im Film „die Entität“ genannt. Gedreht wurde der Streifen in den Jahren der Plandemie 2020 und 2021. Ursprünglich war sein Kinostart für den Sommer 2021 vorgesehen. Dass er schließlich erst zwei Jahre später, 2023, weltweit über die Kinoleinwände flimmerte, kann als dankenswerte Fügung betrachtet werden. Denn innerhalb dieser zwei Jahre wandelte sich für die Weltbevölkerung die KI von einem nicht greifbaren Abstraktum hin zu einem alltäglichen, intuitiv nutzbaren Hilfsmittel. Was 2021 noch wie Science-Fiction angemutet hätte, war 2023 bereits fester Bestandteil des Lebens von Millionen Menschen. Äußerungen wie „Ich frag mal die KI“ waren zu dem Zeitpunkt bereits geflügelte Formulierungen, um zum Ausdruck zu bringen, dass man den eigenen Denkprozess an den hyperpotenten Wahrscheinlichkeitsrechner delegierte. Insofern war die verschleppte Veröffentlichung des Actionkrachers weniger eine Verspätung denn ein Reifungsprozess. Der Film erschien erst, als die Zeit dafür reif war. Man könnte den Film blauäugig als Warnung vor der KI deuten. Täte man dies, müsste man drei Jahre später mit Verdruss feststellen, dass die warnende Botschaft, wenn sie überhaupt so gemeint war, wirkungslos verhallt ist. Heute kann manch einer nicht einmal mehr eine Geburtstagskarte ohne Zuhilfenahme der KI ausformulieren. Vor diesem und anderen Hintergründen muss der Film vielmehr als prädiktive Programmierung der Massen verstanden werden, um sie auf ein Zeitalter vorzubereiten, in dem sämtliche Gesellschafts- und Lebensbereiche an die „Algokratie“ outgesourct werden. Ein Zeitalter, in welchem die KI allmächtig erscheint. Mit dem Wissen um die Fehlbarkeit künstlicher Intelligenz, das wir heute haben, kann man das Werk aus zwei gänzlich verschiedenen Perspektiven sehen. Ein Beitrag zur Sonderausgabe „KI und Digitalisierung“.

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