Das Pentagon übernimmt die Kontrolle über das Öl Venezuelas: Imperialistischer Diebstahl und der Bankrott des bürgerlichen Nationalismus

Von Andrea Lobo – 31. August 2026

Delcy Rodriguez im Gespräch mit dem Chef des US Southern Command, General Francis Donovan, 6. Juli 2026 [Photo: Presidencia de Venezuela]

Am 24. Juni forderte das stärkste Erdbeben in Venezuela seit 125 Jahren mehr als 6.500 Todesopfer; Zehntausende gelten weiterhin als vermisst. Zwei Monate später, da ein Großteil der Bevölkerung noch immer in Zelten auf der Straße lebt, kündigte Donald Trump an, dass die US-Regierung die Kontrolle über Venezuelas Öl übernehmen werde.

Am Freitagabend prahlte Trump in den sozialen Medien damit, dass Washington sich „die Mehrheitskontrolle der USA über mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven in Venezuela“ gesichert habe. Dies entspricht einem Fünftel der venezolanischen Reserven, den größten der Welt. Tatsächlich beansprucht Washington damit jedoch die Kontrolle über die gesamte Ölindustrie.

Das Wall Street Journal  hat inzwischen berichtet, dass ein privates Unternehmen unter der Leitung des venezolanischen Geschäftsmanns Alejandro Betancourt auf Jahrhunderte hinaus die Rechte zur Erschließung von 17 Ölfeldern erhalten wird. Das „Office of Strategic Capital“ des Pentagons wird über „Penny Warrants“ – also praktisch kostenlose Beteiligungen – einen Anteil von 35 Prozent übernehmen und ein Vorzugsrecht auf den Kauf von 20 Prozent der Fördermenge zum Selbstkostenpreis erhalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten sich das Öl eines Landes aneignet, in das es vor acht Monaten militärisch eingefallen ist – nicht als bloßer Vermittler oder Finanzier, sondern als Eigentümer.

Dies ist der bislang deutlichste Beweis dafür, dass der sich anbahnende Dritte Weltkrieg ein Krieg um koloniale Eroberung und Neuaufteilung ist. Das Öl wird beschlagnahmt, um Washingtons Kriege gegen den Iran, Russland und China zu finanzieren.

Die Maßnahme ist zudem untrennbar mit dem Handelskrieg gegen Kanada, der Umbenennung des Golfs von Mexiko und des Ontariosees sowie Trumps Nationaler Sicherheitsstrategie verbunden, die die amerikanische Vorherrschaft über die gesamte Hemisphäre beansprucht. Der US-Imperialismus macht die amerikanischen Kontinente zur Rohstoffbasis und zum Aufmarschgebiet für einen globalen Krieg.

Zwei Dinge werden dabei deutlich. Das erste ist der kriminelle Charakter der herrschenden Klasse der USA, die ihren früheren [immer schon verlogenen; die GG-Red.] Anspruch als Wahrer des Völkerrechts, der Menschenrechte und der Demokratie [spätestens seit Trump 2.0 unverhohlen; die GG-Red.] aufgegeben hat. Das zweite ist die Käuflichkeit und Feigheit der lateinamerikanischen Bourgeoisie und ihrer kleinbürgerlichen Apologeten – allen voran der Chavista-Bewegung, die 20 Jahre lang von pablistischen, stalinistischen und akademischen Strömungen als neuer Weg zum Sozialismus gepriesen wurde. Diese Bewegung ist heute maßgeblich an der Übergabe des nationalen Reichtums Venezuelas an das Pentagon beteiligt.

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