Produktionsausfälle und Erdgasmangel

Von German-Foreign-Policy – 26. August 2026

Die neuen US-Sanktionen gegen Iran verlängern die Sperrung der Straße von Hormuz und drohen damit in Deutschland zu weiterer Teuerung, Produktionsausfällen und Erdgasmangel im Winter zu führen.

Die jüngste Verschärfung des US-Wirtschaftskriegs gegen Iran erhöht die Risiken einer weiteren Teuerung wie auch größerer Produktionsausfälle in der deutschen Industrie und die Gefahr von Erdgasmangel im Winter. US-Finanzminister Scott Bessent hat am Montag angekündigt, die Trump-Administration wolle Iran ökonomisch vollständig isolieren und in den wirtschaftlichen Zusammenbruch treiben. Teheran hat erklärt, es werde sich dagegen entschlossen zur Wehr setzen. Damit gerät eine erneute Öffnung der Straße von Hormuz für den Handel außer Sicht. Deutsche Unternehmen sind von zahlreichen Vorprodukten abhängig, die in anderen Ländern unter Nutzung kostengünstiger Rohstoffe aus den Golfstaaten hergestellt werden. Diese Vorprodukte müssen nun wegen der Sperrung der Straße von Hormuz unter Einsatz teurerer Ressourcen gefertigt werden, was die Preise für deutsche Unternehmen in die Höhe treibt. Zugleich sind deren Lagerbestände sehr oft gering; können Vorprodukte aufgrund der Sperrung der Straße von Hormuz gar nicht mehr geliefert werden, drohen vielen deutschen Firmen nach höchstens drei Wochen Produktionsstillstände. Aufgrund der hohen Erdgaspreise sind die Gasspeicher auf historisch niedrigem Füllniveau.

Teurere Vorprodukte (I)

Von gestiegenen Risiken und höheren Preisen bei der Beschaffung von Vorprodukten durch deutsche Unternehmen ist bereits seit Beginn des Irankriegs immer wieder zu hören. Ein Beispiel bieten Aluminiumprofile für Solaranlagen, die europäische Unternehmen laut einer Analyse der Einkaufsberatung Inverto aus der Türkei beziehen. Die dortigen Hersteller erwerben ihr Rohaluminium zum Teil in den Staaten am Persischen Golf. Als die Einfuhren von dort seit März wegen der faktischen Sperrung der Straße von Hormuz ausblieben, mussten sie auf andere Lieferanten mit höheren Preisen ausweichen. Die höheren Preise gaben sie dann an die Kunden in Europa weiter. Diese müssen seither laut Inverto zwischen zehn und 20 Prozent mehr als zuvor für das Rohaluminium bezahlen.[1] Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle. Einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Civey zufolge, die im Auftrag des Handelsblatts unter 750 deutschen Unternehmern durchgeführt wurde, haben sich für 52 Prozent von ihnen die Preise für wichtige Rohstoffe bzw. Vorprodukte wie zum Beispiel Metalle oder Halbleiter spürbar erhöht.[2] Gut die Hälfte von ihnen sah sich daraufhin veranlasst, die höheren Preise ihrerseits an ihre Kunden weiterzugeben.

Teurere Vorprodukte (II)

Ein weiteres Beispiel, das für die deutsche Wirtschaft allerdings nicht durchweg nachteilig ist, bietet die Chemiebranche. Chinesische Unternehmen können allerlei Chemikalien sowie Kunststoffe bereits seit einigen Jahren in Deutschland billiger anbieten als deutsche Traditionskonzerne – unter anderem aufgrund von Skaleneffekten, die in China wegen des riesigen Inlandsmarktes möglich sind, aber auch aufgrund der in Deutschland wegen der politisch gewollten Abkopplung von Russland erheblich gestiegenen Erdgaspreise (german-foreign-policy.com berichtete [3]). Im vergangenen Jahr nahmen die deutschen Importe von Chemikalien und Pharmawirkstoffen aus China weiter zu und lagen zeitweise um rund ein Drittel über dem Vorjahresmonat.[4] Seit März gehen sie nun wieder zurück – weil die chinesische Industrie viel stärker von Rohstoffen aus der Golfregion abhängig ist als die deutsche und entsprechend mit Problemen zu kämpfen hat. Das hat zur Folge, dass deutsche Unternehmen, die diese Vorprodukte benötigen, nun nicht mehr die kostengünstigen chinesischen Produkte erhalten, sondern auf die teurere Ware deutscher Chemiekonzerne zurückgreifen müssen.[5] Ihre Kosten steigen dadurch ganz erheblich.

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