Von Andrew Korybko – 27. August 2026

Es ist daher zu erwarten, dass London bald an den asiatischen Fronten des neuen „Cordon sanitaire“ rund um Russland mitwirken wird.
Der neue britische Premierminister Andy Burnham hielt eine Rede in Kiew anlässlich des 35. Jahrestags der ukrainischen Unabhängigkeit. Er begann damit, fälschlicherweise zu unterstellen, dass Russland „seit den Anfängen“ „Angriffe auf [die] Sprache, Kultur und Wahlen [der Ukraine]“ durchgeführt habe, und behauptete anschließend, dass dessen militärische Sonderoperation „darauf abzielt, die Unabhängigkeit zu zerschlagen, die wir hier feiern wollen“. Burnham, der nicht demokratisch gewählt wurde, lobte die Ukraine zudem als „lebendige Demokratie“, obwohl die Wahlen dort auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.
Anschließend verglich er Russland mit Nazi-Deutschland, indem er erklärte: „Meine Nation hat die Flamme der europäischen Freiheit im 20. Jahrhundert am Leben erhalten, ihr haltet diese Flamme im 21. am Leben“, bevor er behauptete, Europa und die NATO seien dank der Ukraine stärker geworden, da diese als „Beschützerin Europas“ fungiere. Der Zweck dieser übertriebenen Rhetorik besteht darin, die fortgesetzte Unterstützung Großbritanniens für die Ukraine gegen Russland zu rechtfertigen, nachdem Großbritannien der Ukraine gerade die geheimen technischen Informationen zur Verfügung gestellt hat, die für die Herstellung von Langstrecken-Marschflugkörpern benötigt werden.
Die britische Presse enthüllte kürzlich zudem, dass die Ukraine seit einem halben Jahr Drohnen des Landes für Fernangriffe innerhalb Russlands einsetzt, was zeitlich mit der Bestätigung der russischen Botschaft zusammenfiel, dass Botschafter Andrey Kelin Ende letzten Monats nach siebenjähriger Amtszeit abberufen wurde. Angesichts dieser eskalierenden Spannungen im Zusammenhang mit der zunehmend direkten Verwicklung Großbritanniens in den von der NATO über die Ukraine geführten Stellvertreterkrieg gegen Russland stellte RT rechtzeitig die Frage: „Wie nah stehen Russland und Großbritannien an einem Krieg?“
Angesichts der Tatsache, dass Großbritannien diese Spannungen mit Russland ausgelöst hat, brauchte Burnham schon eine gehörige Portion Chuzpe, um Moskaus Reaktion darauf – vage Drohungen gegen London – zu verurteilen und so die Rollen von Opfer und Bösewicht zu vertauschen. All dies dürfte scharfsinnige Beobachter nicht überraschen, die wissen, dass Großbritannien einer der traditionellen Rivalen Russlands ist und stets versucht hat, Europa nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ zu spalten – diesmal über den Ukraine-Konflikt. Sie werden sich auch daran erinnern, dass Großbritannien schon zwei Wochen vor Beginn der Sonderoperation ein Bündnis mit Polen und der Ukraine geschlossen hat.
Tatsächlich war es kein Geringerer als der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson, der weithin als verantwortlich dafür angesehen wird, den Entwurf eines russisch-ukrainischen Friedensabkommens vom Frühjahr 2022 torpediert zu haben, indem er Selenskyj volle Unterstützung versprach, sollte dieser weiterkämpfen – was Johnson im Namen seines historisch russophoben „Deep State“ auch tat. Der auf 100 Jahre angelegte Partnerschaftspakt, den einer seiner späteren Nachfolger, Keir Starmer, Anfang 2025 mit der Ukraine abschloss, beseitigte jeden Zweifel daran, dass sich ihre „besondere Partnerschaft“ gegen Russland richtet.
Russland darf daher niemals vergessen, dass sich das Vereinigte Königreich dazu verpflichtet hat, dem Kreml auch im nächsten Jahrhundert ein Dorn im Auge zu bleiben, wozu es voraussichtlich seine Rolle im neuen „Cordon sanitaire“ rund um Russland ausbauen wird. Abgesehen von seiner bestehenden Rolle an der arktisch-baltischen Front und der mittel- und osteuropäischen Front, um deren Führungsrolle Polen und die Ukraine konkurrieren, wird es wahrscheinlich auch zur von der Türkei geführten Front entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands sowie zur entstehenden, von Japan geführten Front in Nordostasien beitragen.
Das Endergebnis ist, dass Großbritannien als wichtigster Partner der USA in dieser eurasienweiten Eindämmungskoalition gegen Russland fungieren wird, da kein anderes Land über die historisch Erfahrung in dieser Rolle verfügt, wie das Vereinigte Königreiche sie vorweisen kann, noch über die Fähigkeit, dies durch eine Kombination aus öffentlichen und geheimen Instrumenten zu tun. Sollte Washington jemals beschließen, diese Schlinge um Russland zu lockern, könnte London sogar hinter seinem Rücken die Schlinge erneut enger ziehen – selbst auf die Gefahr hin, sich mit den USA zu überwerfen, so verbissen ist sein „Deep State“ darauf, Russland einzudämmen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.