Wachsende Unterstützung für den ukrainischen politischen Gefangenen Bogdan Syrotjuk – „New York Times“ hüllt sich schuldbewusst in Schweigen

Von Andre Damon – 19. August 2026

Bogdan Syrotjuk mit einem Bild von Leo Trotzki in einer alten sowjetischen Ausgabe von John Reeds 10 Tage, die die Welt erschütterten, April 2023

Am Montag, dem 10. August, verurteilte ein Gericht im ukrainischen Perwomajsk den ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotjuk unter Kriegsrecht wegen Hochverrats. Das Gericht verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren, weil er zur Einheit der russischen und ukrainischen Arbeiter gegen den Krieg aufgerufen hatte.

Die Reaktionen auf das Urteil sind bedeutsam und umfassend. Mehr alisr El Amria textile workersms 600 Menschen in mehr als 40 Ländern, darunter auch in der Ukraine und in Russland, haben seit der Urteilsverkündung Protestbriefe verfasst, und die Petition für Bogdans Freilassung zählt mittlerweile mehr als 6.000 Unterzeichner. Historiker, Ärzte, Lehrer und Rentner haben an das Gericht geschrieben und die Aufhebung des Urteils gefordert.

Diese Reaktion steht in scharfem Kontrast zum Schweigen der großen Medien in den Vereinigten Staaten und insbesondere der New York Times. Die Times hat nie über Bogdans Fall berichtet, weder über seine Festnahme und Inhaftierung am 25. April 2024 noch über seine Verurteilung am 10. August.

Die Times kann sich nicht auf Unwissenheit berufen. Am Dienstag, dem 11. August, schrieb David North, Chefredakteur der World Socialist Web Site (WSWS), an Philip Pan, den internationalen Redakteur der Times, und forderte die Zeitung auf, über den Fall zu berichten. North wies darauf hin, dass die Times am Tag der Urteilsverkündung im Fall Bogdan einen Bericht mit der Überschrift „Russisches Gericht verbietet der einzigen Antikriegspartei des Landes die Kandidatur für das Parlament“ veröffentlicht hatte. In dem Bericht wird die siebenjährige Haftstrafe erwähnt, zu welcher der stellvertretende Vorsitzende der Partei „Jabloko“, Maxim Kruglow, wegen eines Social-Media-Beitrags aus dem Jahr 2022 verurteilt worden war. Die Zeitung hatte gleichzeitig nichts über einen Ukrainer berichtet, der zu einer mehr als doppelt so langen Haftstrafe verurteilt worden war.

„Wenn die Unterdrückung politischer Antikriegsaktivitäten in Russland eine ausführliche Berichterstattung rechtfertigt – und das tut sie zweifellos –, dann verdient die Verurteilung eines ukrainischen Sozialisten zu 15 Jahren Haft wegen Aktivitäten, zu denen auch die Veröffentlichung von Antikriegsartikeln gehört, eine nicht minder ernsthafte Auseinandersetzung“, schrieb North.

Die Times antwortete nicht. Eine Woche nach der Urteilsverkündung gegen Bogdan veröffentlichte sie einen Artikel auf der Titelseite mit der Überschrift „Von Russland festgehalten: Ukrainer verspürt ‚erdrückende‘ Angst“, zusammen mit einer neunminütigen Audiofassung. Darin wird über Artem Murdid berichtet, einen ukrainischen Bankangestellten, der im März 2023 im besetzten Melitopol festgenommen und von einem russischen Gericht wegen Terrorismus zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Vier Journalisten arbeiteten in Kiew, Berlin und Moskau an dieser Geschichte. Die Times hat Reporter in der Ukraine, in Kiew, eine Tagesfahrt von der Region Nikolajew entfernt, wo Bogdan vor Gericht gestellt und inhaftiert wurde.

Die Times druckte Murdids Schilderung der Folter ab, räumte dabei jedoch mit eigenen Worten ein, dass es „unmöglich ist, dies zu überprüfen“, und rechtfertigte die Veröffentlichung damit, dass sie „mit Dutzenden Berichten übereinstimmt“. Bogdans Fall bedürfte keiner solchen Selbsterklärung: Das Urteil ist ein öffentliches Dokument, die Gutachten liegen in schriftlicher Form vor, die als Landesverrat angeführten WSWS-Artikel sind veröffentlicht und für jedermann einsehbar. Für Bogdan Syrotjuk hat die Times keine einzige Zeile übrig.

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