Von German-Foreign-Policy – 27. Juli 2026
Deutschland und die EU liegen bei Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) weit hinter den USA und China zurück. Lediglich bei der Strategiebildung gehörte die Bundesrepublik zu den globalen Vorreitern. Deutschland und die EU liegen bei Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI) weit hinter den globalen Vorreitern USA und China zurück. Dies bestätigen zahlreiche Untersuchungen, darunter eine aktuelle Studie, die von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung veröffentlicht worden ist. Dieser zufolge befindet sich Europa etwa beim globalen Marktanteil von KI-Anwendungen dramatisch im Rückstand: Während amerikanische KI-Apps 1,35 Milliarden mal heruntergeladen wurden, beliefen sich die Downloads europäischer KI-Apps auf lediglich 1,26 Millionen. Auch bei der Entwicklung fortschrittlicher KI-Modelle, der Gewinnung von Investitionen für KI, der Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema KI sowie bei Patenten hinkt Europa hinter den USA und China hinterher. Das einzige europäische Unternehmen, das bei der Entwicklung von KI-Modellen globale Bedeutung besitzt – Mistral –, kommt aus Frankreich. Darüber hinaus treiben deutsche Unternehmen die Einführung von KI vergleichsweise zögerlich voran. Nur die Strategieformulierung gelingt: Deutschland war eines der ersten Länder weltweit mit einer nationalen KI-Strategie. Bei der Umsetzung in die Praxis hapert es allerdings.
Europa: weit abgeschlagen
Bei den Downloads von KI-Apps „dominieren US-Unternehmen weltweit, wobei China seit Mitte 2025 aufholt und Europa zurückliegt“: So lautet das Ergebnis einer neuen Studie der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung mit dem Titel „The Geopolitics of AI App Exports“, die von einem Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) erstellt wurde.[1] Die Ergebnisse, die auf der Anzahl der Downloads von Android-Apps basieren, zeichnen ein für Europa desillusionierendes Bild. Von Anfang 2023 bis April 2026 dominierten US-amerikanische KI-Apps weltweit mit rund 1,35 Milliarden Downloads, während China mit 205,41 Millionen an zweiter Stelle lag; die EU hinkte mit lediglich 1,26 Millionen Downloads von KI-Apps des französischen Unternehmens Mistral weit hinterher. Eines der auffälligsten Ergebnisse der Studie ist die Dominanz chinesischer KI-Apps in lateinamerikanischen Ländern. Abgesehen davon, dass sie in Russland, Belarus, auf den Philippinen und in Indonesien den größten Marktanteil hatten, waren die Downloadzahlen der chinesischen Apps in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador und Mexiko am höchsten. Demgegenüber behalten US-amerikanische KI-Apps ihre Dominanz in Nordamerika, Westeuropa, Zentral- und Südasien sowie in den arabischen Ländern.