Die algerisch-malische Annäherung könnte weitreichende Auswirkungen haben

Von Andrew Korybko – 20. Juli 2026

Im besten Fall gelingt es Algerien, die Tuareg-Rebellen dazu zu bewegen, sich von ihren radikal-islamistischen Verbündeten abzuwenden – im Gegenzug für weitgehende Autonomie in Mali –, Algerien übernimmt die Rolle Libyens als russischer Lieferant für Mali, und alle kämpfen gemeinsam gegen die radikalen Islamisten, anstatt zuzulassen, dass diese Mali erobern und die Region zerstören.

Die algerische und die malische Regierung bestätigten Mitte Juli die Wiederaufnahme ihrer Beziehungen, nachdem diese infolge des Abschusses einer malischen Drohne durch Algerien für über ein Jahr ausgesetzt worden waren. Der wichtigere Grund hing jedoch wohl mit Algeriens Unterstützung der malischen Tuareg-Rebellen zusammen, mit denen sich die Zentralregierung in Bamako zu diesem Zeitpunkt bereits auf Konfrontationskurs befand, nachdem sie sich aus einem Friedensabkommen von 2015 zurückgezogen hatte. Als Begründung für den Rückzug führte Bamako angebliche Verstöße der Tuareg und ihrer algerischen Unterstützer an, doch beide Seiten bestritten dies.

Dieselben Tuareg-Rebellen verbündeten sich dann zum zweiten Mal in weniger als zwei Jahrzehnten mit radikalen Islamisten, um im Frühjahr einen vom Westen unterstützten gemeinsamen Aufstand zu starten. Russland ist Malis wichtigster militärischer Verbündeter und hat sich daher dem Kampf gegen die „Befreiungsfront von Azawad“ (FLA) und die radikal-islamistische „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM) angeschlossen. Schon vor Ausbruch der Feindseligkeiten führte Moskaus Unterstützung für Bamako – nachdem sich Mali Anfang 2024 aus dem Friedensabkommen von 2015 zurückgezogen hatte – zu Problemen mit Algier, doch der neue Krieg verschärfte diese noch.

Was diesen andauernden Konflikt betrifft, so befindet er sich derzeit in einer Pattsituation, da beide Seiten ihre nächsten Schritte vorbereiten, und vor diesem Hintergrund wurde gerade die algerisch-malische Annäherung besiegelt. Die Auswirkungen könnten ebenfalls weitreichend sein, sollten sie dazu führen, dass Algerien die notwendigen Schritte unternimmt, um seine FLA-Partner dazu zu bewegen, zu der JNIM auf Distanz zu gehen – im Gegenzug dafür, dass Mali der Wiederaufnahme des Friedensabkommens von 2015 zustimmt. Dies könnte auch die russisch-algerischen Beziehungen verbessern und somit verhindern, dass ein neu pro-amerikanisch ausgerichtetes Libyen Moskaus Luftbrücke nach Mali unterbricht.

Der Westen zielt im Wesentlichen darauf ab, Mali zu einem „Syrien 2.0“ zu machen – als Teil der Neo-Reagan-Doktrin der USA zur Eindämmung des russischen Einflusses; zu diesem Zweck haben mehrere Länder den Ablauf des Syrien-Kriegs in Mali nachgebildet. Die FLA spielt eine Schlüsselrolle bei der öffentlichen Legitimierung der radikalislamistischen Fußsoldaten der JNIM, weshalb ihr möglicher Seitenwechsel auf Anregung Algeriens als Teil eines möglichen Quid-pro-quo mit Mali eine entscheidende Wende herbeiführen könnte.

Auch die Zeit drängt angesichts der festgefahrenen Lage an der Front, die die vom Westen unterstützte Ukraine möglicherweise bald durch den Einsatz modernster Drohnenkriegsführung für ihre FLA-JNIM-Verbündeten durchbrechen will. Sollte zudem ein von Pakistan angeführtes, aber von den USA vermittelter Friedensabkommen zu einer vereinten pro-amerikanischen Regierung in Libyen führen, könnte der russlandfreundliche Osten Moskaus Luftbrücke nach Mali über Niger unterbrechen. Dies könnte den Zusammenbruch Malis beschleunigen und als Auslöser für eine von den USA unterstützte nigerianische Anti-Terror-Intervention dienen.

Zwar lässt sich diese düstere Szenariokette möglicherweise auch trotz der algerisch-malischen Annäherung nicht abwenden, doch steht die vorgenannte unerwartete Entwicklung wahrscheinlich in irgendeiner Weise mit dem Konflikt in Mali in Verbindung, da ihre Beziehungen gerade im Vorfeld dieses Konflikts ausgesetzt wurden. Das beste Szenario wäre daher, dass Algerien die FLA dazu bewegt, sich von der JNIM abzuspalten – im Gegenzug für weitgehende Autonomie in Mali –, dass Algerien die Rolle Libyens als russischer Lieferant für Mali übernimmt und dass alle gemeinsam gegen die JNIM kämpfen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.