Jenseits der NATO

Von German-Foreign-Policy.com – 9. Juli 2026

Politiker und Militärs in mehreren europäischen NATO-Staaten arbeiten an Optionen militärischer Handlungsfähigkeit jenseits der Allianz – vor allem in den nordischen Staaten und in Großbritannien.

Ungeachtet aller Appelle zum Aufbau einer „europäischen NATO“ arbeiten Politiker wie auch Militärs in mehreren europäischen NATO-Mitgliedstaaten an Optionen militärischer Handlungsfähigkeit jenseits der Allianz. Ursache sind Befürchtungen, auch eine „europäische NATO“, in der zentrale Kommandoposten und Waffensysteme von europäischen Staaten gestellt würden, könne letztlich von den USA „blockiert“ werden, wenn ihre Aktivitäten Washington nicht passten. Schon seit längerer Zeit werden deshalb Forderungen nach einem „Plan B“ laut. In den nordischen Staaten heißt es, ein „starker nordeuropäischer Verteidigungscluster“ könne zum „Kern“ eines solchen Plans werden. Großbritannien wiederum hat seit 2014 mit der Joint Expeditionary Force (JEF) eine Streitmacht aufgebaut, die zwar NATO-kompatibel, aber auch ohne die NATO einsatzfähig ist; ihr Hauptquartier in Northwood verfügt über eigenständige Strukturen aller Art. Unlängst haben die zehn Mitgliedstaaten der JEF beschlossen, gemeinsame Seestreitkräfte aufzubauen – gegen Russland. Zudem heißt es, die NATO orientiere sich an überkommenen Doktrinen; es gelte, am Drohnenkrieg orientiert, „europäische“ Wege der Kriegsführung zu finden.

„Wir brauchen einen Plan B“

Jenseits der Bestrebungen, die NATO stärker auf Personal und Waffen aus Europa zu stützen und damit zugleich die Eigenständigkeit der europäischen Mitgliedstaaten gegenüber den USA auszubauen [1], werden mittlerweile auch Optionen diskutiert, jenseits der NATO militärische Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Anlass dafür ist, wie berichtet wird, nicht zuletzt die Befürchtung, Washington könne, sollten die Länder Europas in einen bewaffneten Konflikt verwickelt werden, nicht bloß seine militärische Unterstützung verweigern, sondern womöglich sogar die NATO-Strukturen für Europa blockieren. Mit Blick darauf, dass die Vereinigten Staaten die NATO bislang dominieren – zentrale Strukturen etwa wurden um US-Führungspersonal herum und mit US-Technologie errichtet –, ließ sich kürzlich ein Insider mit der Frage zitieren: „Welche Befehlskette kann man nutzen, wenn Amerika die NATO blockiert?“[2] Noch sei es so, dass ohne die Vereinigten Staaten mit einer „Zersplitterung des Ökosystems der Abschreckung“ zu rechnen sei, wird etwa Luis Simón von der Freien Universität Brüssel zitiert. Allerdings gebe es inzwischen Streitkräfte, die insgeheim Pläne schmiedeten, wie sie ohne Rückgriff auf die Kommandoinfrastruktur der NATO Krieg führen könnten, heißt es. Ein Regierungsmitarbeiter aus Schweden wird mit der Aussage zitiert: „Wir brauchen einen Plan B.“[3]

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