Von Michale Silnizki – 30. Juni 2026

Propaganda und Wirklichkeit.
„Одна и центральных главных национальных идей Украины — как можно больше врать себе и людям. Потому что если не врать — то рухнет всё.“ (Eine der zentralen nationalen Ideen der Ukraine ist es, sich selbst und die Menschen so viel wie möglich zu belügen. Denn wenn wir nicht lügen, wird alles zusammenbrechen.) – Oleksij Arestowytsch, Ex-Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskij, 20.04.2022
1. Allgemeine Situation
Seit Tagen und Wochen verbreiten die ukrainischen und transatlantischen Mainstream-Medien die Siegesmeldungen der ukrainischen Armee am Boden und in der Luft. Neulich schrieb der bekannte US-amerikanische Militärexperte, Michael Kofman, am 23. Juni in seinem in Foreign Affairs erschienenen Beitrag „The Next Russia Threat. Moscow’s Military Power After Ukraine“: „Der Krieg in der Ukraine hat einen weiteren Wendepunkt erreicht. Die russischen Streitkräfte haben sichtlich Schwierigkeiten auf dem Schlachtfeld, da Kiews Strategie, den Krieg für Russland sinnlos zu machen, aufgeht. Selbst im Falle einer Niederlage wird Russland auf Jahre hinaus die größte Bedrohung für Europa bleiben. Trotz seiner stagnierenden Wirtschaft, der ungünstigen demografischen Entwicklung und des verkrusteten autoritären Regimes ist Russland nach wie vor eine Großmacht, die in der Lage ist und ein Interesse daran hat, die Sicherheitsarchitektur des Kontinents zu untergraben.“
In diesen zitierten wenigen Sätzen werden konzentriert in einem Atemzug der Eindruck von militärstrategischen Erfolgen der Ukraine und einer wahrscheinlichen Niederlage Russlands ebenso erweckt, wie alle gängigen Klischees von Russland als „verkrustetem autoritärem Regime“ und Schwarzmalerei über die daniederliegende russische Ökonomie, der bald das Geld für den Krieg ausgeht, wiederholt.
Dieses ständig wiederholte propagandistische Getöse über einen baldigen ökonomischen Niedergang, politischen Untergang und eine baldige militärische Niederlage Russlands spiegelt eher das Wunschdenken der Propagandisten als die realpolitischen Entwicklungen wider.
All jenen Propheten des russischen Niedergangs hat Putin Anfang Juni 2026 alles Nötige gesagt. Bei einem Treffen mit den Leitern internationaler Nachrichtenagenturen im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums St. Petersburg (SPIEF) antwortete Putin am 4. Juni 2026 auf die Frage eines französischen Journalisten, der auf Schwierigkeiten in der russischen Wirtschaft hingewiesen hat, mit einem Zitat von Mark Twain: „Was die Wirtschaft betrifft, so sind, wie Mark Twain sagte, die Gerüchte über meinen Tod übertrieben. Und so ist es auch jetzt. Was also haben sie vorhergesagt? Eine Niederlage auf dem Schlachtfeld. Der ehemalige US-Präsident sagte, die russische Wirtschaft liege in Trümmern.“
„Man darf Wunschdenken mit der Realität nicht verwechseln“, fügte Putin gleich hinzu. Russland besitzt nach Angaben des russischen Finanzministeriums Geldreserven im Wert von einer halben Billion Dollar und die russische Staatsverschuldung beträgt keine 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Davon können die EU-Länder nur träumen.
Aber auch an der Front ist die Lage alles andere, als die transatlantische Kriegspropaganda uns weismachen will. Ausgerechnet die ehem. Pressesprecherin von Wolodymyr Selenskij, Julia Mendel, warf dem Staathalter von Kiew am 17. Juni auf der Social-Media-Plattform X vor, dem „Westen“ „Märchen“ über den Sieg der Ukraine aufzutischen.
„Während Selenskyj dem Westen Märchen vom ‚Sieg‘ der Ukraine erzählt, fällt Kostjantyniwka gerade. Russische Truppen haben die Außenbezirke der Stadt aus mehreren Richtungen erreicht und dringen ins Innere vor. Sobald die Stadt fällt, ist der Weg in den gesamten Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk frei. Nach Kostjantyniwka folgt Druschkowka (ein wichtiger Logistikknotenpunkt), dann Kramatorsk. Die ukrainische Logistik könnte zusammenbrechen“, schreibt sie.
Zur Bestätigung dieses Berichts ist auf einen gerade am 30. Juni 2026 erschienenen Handelsblatt-Artikel verwiesen, dessen Verfasser direkt aus Kramatorsk berichtet und entrüstet feststellt: „Russland erobert Stück für Stück weitere Teile von Kostjantyniwka. In der Ostukraine sind die Folgen der intensivierten ukrainischen Drohnenangriffe auf Russland bislang nicht zu spüren.“1