Von Michael Hollister – 29. Juni 2026
Die Medien liefern zu den aktuellen Kriegsgeschehen gerne Gespräche mit Fachleuten, also zum Beispiel mit ehemaligen hohen Militärs. Dass viele der interviewten sogenannten Fachleute alles andere als unabhängige Spezialisten sind, sondern Beraterverträge mit Firmen der Rüstungsindustrie haben – und schon deshalb für noch mehr Aufrüstung plädieren! – wird in den Medien aber meistens verschwiegen. Ein bemerkenswertes Detail der gegenwärtigen geläufigen Meinungsmanipulation durch die Medien. (cm)
Im November 2025 erklärt ein pensionierter britischer Vier-Sterne-General den Lesern des „Telegraph“, die Verteidigungsausgaben müssten jetzt steigen. Die Leser erfahren seinen Dienstgrad und sein früheres Kommando – Vier-Sterne-Chef des Joint Forces Command, hoher Offizier der britischen Armee. Sie erfahren nicht, dass derselbe Mann als Berater für die deutsche Rüstungsfirma Helsing und den Technologiekonzern Babcock arbeitet. Sir Chris Deverell wird dem Publikum als unabhängige Autorität präsentiert. Die kommerzielle Seite bleibt im Dunkeln.
Es ist kein britisches Sonderproblem, und es ist auch kein Einzelfall, den man als Ausrutscher abtun könnte. Wenige Flugstunden östlich tritt ein pensionierter deutscher Vier-Sterne-General seit Jahren in Talkshows und Zeitungsinterviews auf, um über Krieg, Aufrüstung und Waffenlieferungen zu sprechen. Vorgestellt wird er als „General a.D.“ mit beeindruckender NATO-Laufbahn. Sein größter Auftraggeber – die deutsche Tochter eines US-Rüstungskonzerns – kommt in keiner dieser Vorstellungen vor.
Der britische General ist kommerziell an eine deutsche Waffenfirma gebunden, der deutsche an eine amerikanische. Die Interessen kreuzen die Grenzen; das Schweigen aber ist auf beiden Seiten dasselbe. Und es folgt einem Muster, das eine britische Recherche-Organisation jüngst erstmals systematisch vermessen hat – mit einer Zahl, an der man nicht vorbeikommt. Dass dasselbe Muster auch für Deutschland gilt, ließ sich bisher vermuten. Diese Analyse belegt es an drei Fällen, in denen nicht Andeutung spricht, sondern Aktenlage: ein staatliches Register, eine eigene Bestätigung, eine Firmenmitteilung. Drei Männer, drei unterschiedliche Quellenarten – ein und dasselbe Schweigen der Medien.