Drehbuch für den Massenmord

Von German-Foreign-Policy.com – 26. Juni 2026

Experten kritisieren Berlin und die EU, weil diese ihre Chance nicht wahrnehmen, durch Druck auf die Vereinigten Arabischen Emirate deren Unterstützung für die genozidale RSF-Miliz im Sudan und damit eventuell den Krieg dort zu beenden.

Menschenrechtsorganisationen und Außenpolitikexperten üben harte Kritik an der Untätigkeit Berlins und der EU im Hinblick auf den genozidalen Krieg der RSF-Miliz im Sudan. Aktuell droht ein Massaker der RSF, die seit mehr als drei Jahren gegen die regulären Streitkräfte kämpfen, in der Stadt Al Obeid, die strategisch günstig zwischen dem Niltal und der westsudanesischen Region Darfur liegt. Die RSF bereiten sich darauf vor, Al Obeid zu erobern. Zuvor hatten sie bei der Einnahme von Städten in Darfur gezielt schwarzafrikanische Bevölkerungsgruppen ermordet; zuletzt massakrierten sie bei der Eroberung von Al Fashir womöglich zwischen 60.000 und 100.000 Menschen wegen ihrer Hautfarbe. Ökonomisch und im Blick auf Waffenkäufe sind die RSF von den Vereinigten Arabischen Emiraten abhängig, die die Miliz aus geostrategischen Gründen unterstützen. Experten urteilen, die Staaten Europas und Nordamerikas seien ohne weiteres in der Lage, genug Druck auf die Emirate auszuüben, die Unterstützung für die RSF einzustellen. Dies könne den Krieg beenden. Sie unterließen es aber, da sie der ungetrübten Kooperation mit dem Land Vorrang vor der Verhinderung genozidaler Massaker einräumten.

Die größte humanitäre Katastrophe

Die Lage im Sudan wird von Hilfsorganisationen schon seit Jahren als die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart eingestuft. Die Zahl der Todesopfer ist unbekannt. Oft genannt werden Schätzungen, die sich auf rund 150.000 belaufen. Das sind allerdings Angaben, die schon seit dem Jahr 2024 kursieren. Der frühere US-Sondergesandte für Sudan Tom Perriello ging im August 2025 von mehr als 400.000 Todesopfern aus. Über 14 Millionen Menschen – bei einer Vorkriegsbevölkerung von rund 52 Millionen – sind auf der Flucht; davon sind gut vier Millionen ins Ausland geflohen, in der Regel in bitterarme Nachbarländer wie Tschad oder Südsudan.[2] Fast 34 Millionen Menschen, etwa zwei Drittel der Bevölkerung, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Laut Angaben des World Food Programme sind mehr als 19 Millionen Sudanesen akutem Hunger ausgesetzt; 825.000 Kinder unter fünf Jahren leiden an schwerer akuter Unterernährung. Mehr als 70 Prozent der Krankenhäuser des Landes sind zerstört; gravierende Krankheiten grassieren, darunter Cholera, der bislang mindestens 3.500 Sudanesen zum Opfer gefallen sind.[3] Über die Hälfte aller Schulen in Sudan sind zerstört; die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nur zeitweise oder gar nicht Schulunterricht haben, wird auf 17 Millionen geschätzt. Sexualisierte Gewalt grassiert.[4]

Genozidale Massaker

Zusätzlich zu der ohnehin verheerenden Lage sind in der westsudanesischen Region Darfur seit Kriegsbeginn im April 2023 mindestens zweimal genozidale Massaker begangen worden – von den Rapid Support Forces (RSF), die den Krieg mit Angriffen auf die regulären Streitkräfte entfesselt haben. Die RSF haben ihre Ursprünge in der Miliz der Janjaweed, die vor über zwei Jahrzehnten aus dem arabischsprachigen Bevölkerungsteil von Darfur entstand und von 2003 bis 2005 einen Genozid an schwarzafrikanischen Bevölkerungsgruppen der Region beging. Dies wiederholt sich seit dem Beginn des aktuellen Krieges. Bereits im Juni 2023 ermordeten die RSF nach der Eroberung von Al Junaina, der Hauptstadt von Sudans Bundesstaat West-Darfur, willkürlich Menschen aus der schwarzafrikanischen Minderheit der Masalit; Schätzungen zufolge kamen bis zu 15.000 von ihnen zu Tode. Willkürliche Morde an Menschen mit schwarzer Haut begingen die RSF auch nach der Eroberung von Al Fashir, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur, Ende Oktober 2025. Schätzungen über die Zahl der Todesopfer belaufen sich auf womöglich 60.000 [5], vielleicht gar 100.000 [6]. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen wurden Überlebende verschleppt, begleitet von Rufen wie „Sklave, Sklave, Sklave!“[7]

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