Welche Rolle Südkorea bei der Militarisierung der EU spielt

Von Igor Ivanow (Übersetzung: Thomas Röper) – 25. Juni 2026

Es ist kaum jemandem bekannt, wie wichtig Südkorea für die Militarisierung der EU geworden ist, dabei ist Südkorea nach den USA zum zweitgrößten Waffenlieferanten für die europäischen NATO-Staaten und hat damit Deutschland und Frankreich überholt.

Dass Südkorea ein wichtiger Lieferant von Waffen für europäische Länder geworden ist, habe ich in den letzten Jahren in Tickermeldungen immer wieder gesehen, denn vor allem Polen setzt sehr stark auf Panzer und Artillerie aus Südkorea. Wie wichtig Südkorea für die Militarisierung der EU geworden ist, war mir jedoch nicht bewusst, bis ich das in einem Artikel des Südkorea-Korrespondenten der TASS erfahren habe, den ich übersetze, weil er auch zeigt, welche Probleme sich dadurch geopolitisch für Südkorea ergeben.

Wer Waffen nach Europa liefert: Südkorea als wichtigstes „Hinterland-Arsenal“ des Westens

Igor Ivanow, TASS-Korrespondent in Südkorea, über Seouls Beteiligung an der Militarisierung Europas und die potenziellen Folgen für den Wettbewerb sowie die Beziehungen zu Russland und den USA.

Südkorea avancierte im Zeitraum 2021 bis 2025 nach den USA zum zweitgrößten Waffenlieferanten für die europäischen NATO-Staaten und überholte damit Deutschland und Frankreich. Seit 2022 haben koreanische Unternehmen Lieferverträge für Waffen mit Polen, Norwegen, Rumänien, Finnland und Estland abgeschlossen. Vor dem Hintergrund der Panikstimmung an der Ostflanke der NATO wuchsen die Exporte der südkoreanischen Rüstungsindustrie in Rekordtempo.

Niedrigere Kosten im Vergleich zu westlichen Wettbewerbern bei gleichzeitiger Erfüllung der NATO-Standards, die Bereitschaft zur schnellen Auftragsabwicklung und die Lokalisierung der Produktion angesichts von Verzögerungen bei europäischen und amerikanischen Konzernen haben es Seoul ermöglicht, seinen Marktanteil rasant auszubauen und Südkorea zum „Arsenal“ der NATO zu machen.

Über all dies wurde bereits 2022 gesprochen, doch heute stellt sich eine andere Frage: Wie lange wird diese Zusammenarbeit andauern?

Der Kontext selbst hat sich grundlegend verändert. Früher wurde das Auftauchen koreanischer Waffen in Europa vor allem im Kontext des Ukraine-Konflikts betrachtet: Hersteller aus Seoul übernahmen faktisch die Aufgabe, die leeren europäischen Lager aufzufüllen, nachdem Warschau, Oslo und andere Hauptstädte ihre Ausrüstung nach Kiew übergeben hatten. Nun hat Europa selbst offiziell den Kurs der totalen Militarisierung eingeschlagen und bereitet sich offen auf einen Krieg mit Russland vor, indem es die Öffentlichkeit mit Terminen – mal 2029, mal 2030, mal sogar 2035 – verängstigt.

Man könnte sagen, Südkorea befindet sich erneut an einem Scheideweg. Selbst koreanische Analysten, die eine militärische Annäherung an Europa befürworten, räumen ein, dass Brüssel versuchen wird, Seoul in einen politischen Konflikt mit Moskau und möglicherweise sogar Washington hineinzuziehen. Sind sie hier bereit für diese Entwicklung?

[Hier weiterlesen]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.